Wien Geschichte

zum goldenen Becher

Hausfasade des Hauses zum goldenen Becher

die Aufschrift auf dem Haus „zum goldenen Becher“ klingt relativ harmlos, weist aber auf ein grausames Geschehen aus dem 16. Jahrhundert hin.

Der Protestantismus in Wien

So etwa um 1530 herum war der erste Bezirk zu fast 100 % protestantisch. Die Bereiche rund um Wien immerhin noch zu etwa 90 %. Diese neue Religion hatte einfach das bessere Angebot, sie war attraktiver, frischer und erschien daher erstrebenswerter als der Katholizismus.

Das führte naturgemäß zu Reibereien, da von der Obrigkeit und der Kirche vehement versucht wurde, die gewünschte göttliche (katholische) Ordnung wieder herzustellen. Diese sogenannte Gegenreformation war äußerst brutal und kostete im günstigsten Fall das Vermögen. Im schlechtesten Fall das Leben. Vor diesem Hintergrund ist die folgende Geschichte zu sehen.

Fronleichnam 1549

Der protestantische Bäckergeselle Johann Heyn entriss bei der Fronleichnamsprozession dem Priester die Monstranz und trat darauf ein. Er wurde dafür auf der Gänseweide, einem Richtplatz im alten Wien, verbrannt.

Der Ort der Freveltat (etwa Graben auf Höhe Nr. 10) wurde mit einem Gitter abgesperrt und das Bildnis der Monstranz auf einer Säule ausgestellt. Später wanderte diese Monstranzdarstellung (der goldene Becher) in eine Nische der Fassade des Hauses „zum goldenen Becher“ Stock-im-Eisen-Platz 2. Derzeit befindet sich diese nachgebildete Monstranz angeblich im Stiegenhaus. Leider ist der Zugang nicht möglich. Daher kann ich die Richtigkeit des derzeitigen Standortes nicht überprüfen.

Interessant ist vielleicht noch Anfang des 19. Jahrhunderts das Haus einen anderen Namen hatte. Es hieß nach dem dort untergebrachten Damenmodengeschäft „Zur schönen Wienerin“. In dem Schaufenster befand sich eine lebensgroße Wachsfigur, welche ständig die neueste Pariser Mode trug. Diese erregte damals unglaublich viel Aufsehen. Also die erste Schaufensterfigur in Wien war dort zu sehen, wo jetzt die Touristen bei einem Stück Sachertorte und Kaffee in der Konditorei Aida sitzen.

Den Hausnamen „zum goldenen Becher“ kann man aber auf der Fassade noch finden. Es gibt in Wien noch zahlreiche Hinweise auf Reformation und Gegenreformation. Einige davon werden uns hier im Blog sicher noch begegnen.

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