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Von Kapuzinern, Klöstern und Kerkern

SW-Bild des Kapuzinerklosters

Das Kapuzinerkloster abseits der Habsburgergeschichte.

Das Kapuzinerkloster

Die ersten Kapuzinermönche hatte es 1599 nach Wien verschlagen, wo sie verstreut in mehreren Klöstern lebten. Anna von Österreich – Tirol, die Gattin von Kaiser Matthias, stiftete 1618 dieses Kloster für die Kapuziner, mit der Auflage, dass dort eine Gruft für sie und ihren Gatten errichtet werden soll.

Ursprünglich nur für sie beide gedacht, wurde diese Gruft zur Bestattungsstätte der Habsburger. Es befinden sich inzwischen 138 Metallsärge in dieser Gruft, die mehrfach ausgebaut wurde.

Die Herzen der Habsburger wurden in der Augustinerkirche bestattet, die Eingeweide im Stephansdom und der Rest im Kapuzinerkloster.

So weit, so bekannt und in jedem Reiseführer nachzulesen. Ich möchte hier noch eine Geschichte erzählen, die wahrscheinlich die Wenigsten kennen.

Die Sache mit den Kerkern

1782, wurde der Kapuzinerpater Innocentius (mit bürgerlichen Namen Aurelius Feßler)  in den Keller geführt, an einen Ort von dem ihm nicht bekannt war, dass dieser existiert. Dem Kerker des Klosters. Er sollte, als einziger ungarisch sprechender Pater im Kloster einem sterbenden Mönch die Beichte abnehmen und die letzte Ölung spenden.

Frater Nikodemedes, so hieß der Sterbende, war seit 52 Jahren im Verlies eingesperrt. Als Strafe, weil er seinen Prior einen Dummkopf genannt hatte.

Pater Innocentius brachte dies in einem Brief Josef II. zur Kenntnis. Gemeinsam mit der genauen Beschreibung, wie dieser Kerker, der sehr versteckt lag, zu finden sei. Bei der darauf folgenden Hausdurchsuchung durch die Soldaten des Kaisers wurden noch einige der Eingekerkerten befreit. Deren Vergehen, war ähnlich schwerwiegend wie das das armen Nikodemedes und auch sie wurden über Jahrzehnte weggesperrt.

Auf Grund dieses Vorfalles erfolgten noch in etlichen Klöstern entsprechende Kontrollen und es wurden noch einige dieser Kerker aufgelöst. Untersagt wurde diese Art der Klosterbestrafungen bereits durch Maria Theresia 1769. Wie sich herausstellte, kümmerten sich die Klöster offenbar nicht um dieses Verbot.
Ignaz Aurelius Feßler führte noch ein äußerst spannendes Leben. Ein kurzer Blick in den oben verlinken Wikipedia-Artikel zahlt sich aus.

Wer nähere Umstände zu diesem Fall (nebst diversen Moritaten aus dem alten Wien) wissen will, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen:

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