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Eine Ballerina zum Adjutanten

Palais Erzherzog Viktor, Ringstraße Wien

Ein Erzherzog in Frauenkleidern und ein Palais von Ferstl

Erzherzog Ludwig Viktor

war der jüngste Bruder von Kaiser Franz Josef. Er war schmächtig, nicht sonderlich attraktiv und gefürchtet wegen seiner scharfen Zunge. Sein sehr treffsicherer und für das gerade ausgewählte Gegenüber sehr schmerzhafter Sarkasmus war laut Zeitzeugen gefürchtet.

Was aber noch schlimmer war für das Kaiserhaus: Ludwig Viktor, oder Luziwuzi, wie er liebevoll genannt wurde, war homosexuell. Er trug gerne Frauenkleider und lies sich darin sogar fotografieren. Die staatliche Zensur sorgte dafür, dass dieser Umstand von der Presse höchstens in vieldeutig zu verstehenden Andeutungen verbreitet wurde.

Damals war Homosexualität noch ein Fall für das Gericht und nicht nur gesellschaftlich verpönt.

Viele Affären und Vorfälle ließen sich durch die Zensur vertuschen. Eines Tages trieb er es dann doch zu bunt. Luziwuzi hatte bei einem Besuch in einem Männerbad in der Weihburggasse, im Centralbad, (heutige Gay-Sauna Kaiserbründl) einem Offizier ans Gemächt gefasst, was eine Ohrfeige und anschließende Rauferei zur Folge hatte. Dies lies sich nun nicht mehr so einfach vertuschen und Franz Josef ordnete an, dass sich Luziwuzi nach Salzburg zurück zu ziehen habe.

Ludwig Viktor erwies sich in Salzburg als ausgesprochen karitativ und ist eindeutig jener Habsburger, der am meisten für die Stadt getan hat. Für sich selbst lies er von Ferstl ein Palais bauen, in welchem er laufend Feste organisierte. Offizieren war es aber „wegen diverser Vorfälle“ untersagt an diesen Festen teilzunehmen. Als Ausrede war „eine Übung“ vorgeschrieben.

Als Franz Josef immer neue Skandale, Affären und Vorfälle aus Salzburg zugetragen wurden, meinte dieser: „Man müsste ihm als Adjutanten eine Ballerina geben, dann könnt nix passieren.“

Palais Erzherzog Ludwig Viktor

Als Ludwig Viktor noch in Wien war, lies er sich von seinem Lieblingsarchitekten Ferstel ein Palais bauen. Dieses befindet sich am Schwarzenbergplatz 1, Ecke Schubertring. Es wurde 1866 errichtet und war das erste Gebäude am Schwarzenbergplatz. Es ist auch das einzige Habsburgerpalais auf der Ringstraße.

Ludwig Viktor konnte dieses Palais jedoch nur sehr kurz nutzen, da der oben angeführte Skandal im Herrenbad sich recht kurz nach der Fertigstellung zugetragen hatte.

Buchtipp

Ein Buch, das ich sehr ans Herz legen kann, wenn man sich für die Geschichte der Habsburger und die „alte Zeit“ interessiert. Näheres in der Beschreibung und den Kommentaren auf Amazon.

 

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