Wien Geschichte

Wehrmann in Eisen

Die Statue "Wehrmann in Eisen", Wien

eine unbeachtete Statue und ihre Geschichte

eine unscheinbare Nische mit einer seltsamen Statue

Die meisten Wiener sind bereits oft achtlos an ihr vorbei gegangen. Eine Ritterstatue, welche sich  Ecke Felderstraße, Ebendorferstraße unterhalb der Arkaden befindet. Ich denke, kaum jemanden ist sie wirklich präsent, kaum jemand hat sie beachtet. Das stellt einen guten Grund dar, sie hier vorzustellen.

Falls sie auffällt, dann ist dies durch ihre seltsame Oberfläche, die es schwer macht, auf den ersten Blick zu bestimmen, woraus sie besteht.

Kriegsnagelungen

Die Statue selbst ist aus Lindenholz und wurde von Josef Müllner 1914 geschaffen. Der 1. Weltkrieg dauerte nun schon ein halbes Jahr und die Euphorie war abgeklungen. Auf einen schnellen Sieg, wie es ursprünglich angedacht war, glaubte nun kaum jemand mehr. Die Auswirkungen des Krieges waren bereits zu spüren.

In dieser Zeit entstand der „Wehrmann in Eisen“ in Anlehnung an den „Stock im Eisen“. Die Idee stammte vom Korvettenkapitän Theodor Graf Hartig.

Diese Lindenholzfigur wurde am Schwarzenbergplatz aufgestellt und gegen eine Spende konnte ein Nagel in diese Figur eingeschlagen werden. Der Spender erhielt eine Urkunde, also eine Bestätigung darüber. Die Spenden kamen den Kriegerwitwen und Waisen zu Gute.

Die ersten Nägel wurden übrigens von Erzherzog Leopold Salvator, vom türkischen und vom deutschen Botschafter eingeschlagen. Die Türkei und Deutschland waren damals unsere Verbündeten.

Es folgten noch etwa 500.000 weitere Nägel.

Der derzeitige Standplatz

Bereits 1918 berichtete die Presse, dass der Gemeinderat beschlossen hatte, diese Statue an der derzeitigen Stelle aufzustellen.  Dazu kam es jedoch nicht, da dieser Ritter erst in einem Depot gelagert wurde. Anschließend wurde er von ehemaligen Soldaten des Infanterieregiments „Alt Starhemberg Nr. 2 „entführt“ und ins Regimentsmuseum gebracht.

Als 1934 das äußere Heldentor zu einem Heldendenkmal umgebaut wurden, wurde er abermals am Schwarzenbergplatz aufgestellt um Geld zu sammeln. Von den Spenden wurden 10 Bücher gekauft, in welchen die Namen der gefallenen Österreicher verzeichnet sind.

Kernstock

Der schwülstige Spruch, der oberhalb dieses Ritters zu lesen ist, stammt von Ottokar Kernstock. Jener Ottokar Kernstock, der auch das Hakenkreuzlied geschrieben hat.

Wer mag, kann diesen Spruch selbst vor Ort lesen oder im Internet recherchieren. Ich habe keine Lust diesen „Dichter“ hier zu zitieren.

Kernstock wird allerdings wieder in gewissen Kreisen modern.  Es gab am letzten Nationalfeiertag einen Politiker, der am Nationalfeiertag aus der Hymne des austrofaschistischen Ständestaates, die ebenfalls von Kernstock stammt, einige Zeilen auf Facebook zitierte.

Für jene, die mehr über Wien zu Beginn des 1. Weltkriegs wissen wollen, habe ich hier noch eine Buchempfehlung.

 

 

 

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