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Palais Epstein und ein Schulbeispiel von Anständigkeit

Palais Epstein, Ringstraße in Wien

ein Gutmensch, ein wunderschönes Palais und ein tiefer Fall

Gustav Ritter von Epstein

besaß ein riesiges Vermögen durch die Textilindustrie seines Großvaters, der nach englischem Vorbild in Prag eine Firma mit etwa 1000 Arbeitern gründete und damit zu unermesslichen Reichtum kam. Der Enkel Gustav löste die Textilfima auf und gründete mit diesem Geld eine Bank.

Er selbst war sehr kunstsinnig, hatte eine riesige Gemäldesammlung, eine gewaltige Bibliothek, war ein großer Förderer des Musikvereines

Darüber hinaus war er äußerst religiös und nahm auch am jüdischen Leben in Wien teil. So war er auch im Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde.

Über seine Bank ließ er täglich gewaltige Summen an Bedürftige spenden. Heute würde er wohl als Gutmensch bezeichnet werden.

Das Palais

Sein Palais neben dem Parlament wurde von Theophil Hansen geplant. Die Familie residierte im 1. Stock. Im Erdgeschoss befanden sich die Bankräumlichkeiten. Der Festsaal war durch ein raffiniertes Türensystem nach allen Seiten hin erweiterbar.

Bei der Renovierung in den 80er-Jahren entdeckte man im Keller des Hauses Stahlplatten, die durch ein kompliziertes Flaschenzugsystem rund um das Palais hochgezogen werden konnte und im Falle einer Revolte vor dem Parlament das Haus bis zum 1. Stock vor Plünderungen schützen konnten.

1873

Der Krach der Wiener Börse brachte dann eine große Wende. Ein Angestellter Epsteins, Adoph Taussig, hatte unbefugt mit dem Geld Epsteins spekuliert und alles verloren.

Epstein wusste noch nicht, wie hoch der Schaden war, erklärte sich jedoch sofort bereit auf eine Strafanzeige und Schadenersatz zu verzichten der auf Kosten der Witwe gegangen wäre. Als das Gesamtausmaß des Schadens offenbar wurde, war ersichtlich, dass die Bank pleite war. Epstein war es aber wichtig, die Schulden zu begleichen und er setze dazu sein gesamtes Privatvermögen ein. Epstein starb verarmt nach langem, schweren Leiden.

die sowjetische Besatzung

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges war das Palais Epstein Sitz der zentralen Kommandantur der Sowjets. Dort fanden auch Verhöre statt. Viele die dort hineingebracht wurden, sind nicht wieder gesehen worden. Als etwa das Innenministerium einen Beamten mit einer Liste von Namen in die Kommandantur schickte um nach deren Verbleib zu fragen, kam dieser einige Jahre später aus einem sowjewischen Gefangenenlager wieder zurück. Bei der Renovierung des Palais wurden Briefe hier gefangen gehaltenen Personen gefunden, die hier in ihrer Verzweiflung letzte Worte an ihre Angehörigen richteten in der Hoffnung, dass diese versteckten Nachrichten irgendwann von gefunden werden und dann hoffentlich in die richtigen Hände kommen würden.

Besichtigungen

Es zahlt sich aus, das Palais Epstein zu besichtigen. Die Architektur ist beeindruckend. Es gibt Führungen und eine Ausstellung mit Funden aus der Zeit des 2. Weltkrieges.

Mein Tipp:

Dieses Buch zeigt sehr plastisch das Wien des Jahres 1945

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