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Das ungarische Haus und die Blutgräfin

Tor des ungarischen Hauses, Augustinerstraße 12

ein verkrüppelter kleinwüchsiger Diener und eine blutrünstige Gräfin bilden die Eckpunkte unserer Geschichte

Gräfin Báthory Erzsébet

War eine ungarische Gräfin. Mit 11 Jahren wurde sie mit Franz Nádasdy verlobt, den sie später heiratete und mit dem sie gemeinsam auf dessen Burg Čachtice wohnte. Die Gräfin war oft alleine, da der Gatte damitmit beschäftigt war, in den diversen Kriegen die Feinde zu verklopfen. Nachdem dieser gefallen war, verbrachte sie ihre Zeit teilweise zu Hause auf der Burg aber auch in ihrem Sommerdomizil in Wien. Im „ungarischen Haus“, Augustinerstraße 12.

der seltsame Lakai

Zu ihren Bediensteten zählte unter Anderem ein Diener, der großes Aufsehen erregte. Er war kleinwüchsig und verkrüppelt, trug aufwendige, goldverbrämte Kleidung, die sogar in der damaligen Zeit bereits die Grenze zum Lächerlichen überschritten haben dürfte und hatte ungeheure Kräfte. Wenn er zum Einkaufen am Markt unterwegs war bereitete es ihm größtes Vergnügen, seine Muskelkraft zu demonstrieren und die Wiener damit zu erstaunen.

Ficzkó, so hieß der Kerl, war auch immer damit beschäftigt, junge Mädchen am Markt anzusprechen und sie mit dem Versprechen guter Bezahlung in eine Anstellung bei der Gräfin zu locken.

Die Vorfälle

Als seltsam und befremdend wurde erlebt, dass aus dem Haus in der Augustinerstraße immer wieder Lärm und Schreie zu hören waren. Durch diesen Lärm gestört, warfen die Mönche des gegenüber liegenden Klosters die Fenster des „ungarischen Hauses“ ein um so zur Ruhe zu mahnen. Irgendwann war es auch auffällig, dass die jungen Mädchen, die von Ficzkó angeworben wurden, nicht mehr zu sehen waren und auch am Markt nicht mehr angetroffen wurden. Ficzkó erklärte dies damit, dass es ihnen in den Karpaten besser gefallen hätte und sie deshalb dort geblieben wären.

Die Entdeckung

Nachdem sich in der Nähe ihrer Burg die Funde von ausgebluteten Leichen junger Mädchen häuften und sich der Verdacht gegen die Gräfin verdichtete, wurde von Matthias II., Erzherzog von Österreich und König von Ungarn Untersuchungen angeordnet. Die Burg wurde gestürmt und es wurden zahlreiche Leichen der Mädchen gefunden. Erzsébet hatte, wenn man den Prozessakten glauben darf, in dem Blut der Mädchen gebadet um sich ihre Jugend zu erhalten. Die Folterungen der Gräfin waren grausam. Sie übergoss die Mädchen im Winter im Freien mit kaltem Wasser, bis sie zu Eis gefroren. Sie riss den Näherinnen die Fingernägel aus und lies sie dann unter unvorstellbaren Schmerzen weiter arbeiten. Den Bediensteten wurde Fleisch aus dem Gesäß geschnitten, dieses gebraten und sie mussten dann ihr eigenes Fleisch essen.

Etliche der Leichen der jungen Mädchen wurden auch in ihrer Sommerresidenz in der Augustinerstraße gefunden. Insgesamt soll es sich um etwa um 600 Opfer handeln.

Der Prozess

Den Prozessakten nach, soll die Gräfin das Unrecht ihrer Handlung nicht eingesehen haben. Es bestand doch ein Züchtigungsrecht gegenüber Dienstboten (das wurde übrigens erst in den 70er Jahren gemeinsam mit dem Züchtigungsrecht gegenüber der Ehefrau aufgehoben. Den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wohlgemerkt). Vielleicht wäre sie damit durchgekommen, wenn sich ihre „Strafmaßnahmen“ auf Dienstmägde aus dem Bauernstand beschränkt hätten. Jedoch hatte sie auch Mädchen aus gehobeneren Ständen ermordet.

Ihr Diener Ficzkó wird geköpft, ihre Kammerzofe und eine weitere Mittäterin sterben durch den Scheiterhaufen. Die Gräfin wird auf ihrer Burg eingemauert. Durch ein Loch in der Wand erhält sie Nahrung und stirbt schließlich nach 3 Jahren 1614 in ihrem Kerker.

kritische Stimmen

Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass es inzwischen Historiker gibt, welche diese Geschichte für eine Intrige von Matthias II. halten und meinen, das alles sei aus politischen Gründen erfunden.

Mein Tipp:

Heute ein Buch über die Situation von Dienstboten im ländlichen Raum. Spannend geschrieben und noch nicht so lange her. Trotzdem wirken die Erzählungen als wären sie vor hunderten Jahren passiert.

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