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Das letzte Abendmahl in Wien

SW-Foto des letzten Abendmahles

Leonardo da Vincis „letztes Abendmahl“ bringt jedes Jahr zahlreiche Kunsthistoriker nach Wien

Da Vinci? in Wien?

Wenn ich Leuten davon erzähle, dass Da Vincis letztes Abendmahl in Wien hängt, wird meist meine Intelligenz angezweifelt. Die Frage, ob ich überarbeitet sei, ist hier noch die freundlichste Unterstellung. Und doch ist es richtig. In Wien gibt es l‘ ultima cena. In Originalgröße. Und noch dazu viel besser als das Original.

Napoleon in Mailand

1805 sah Napoleon dieses großartige Fresco in Mailand, im Kloster Santa Maria delle Grazie. Napoleon war sofort fasziniert und ordnete an, dass dieses Fresco nach Frankreich gebracht werden soll.

Dies war jedoch nicht mal für einen französischen Kaiser technisch möglich.  Also beauftragte er eine Kopie anzufertigen. In Originalgröße. Damit wurde Giacomo Raffaelli beauftragt. Raffaelli nahm den Auftrag natürlich gerne an und arbeitete so vor sich hin. Bei der Kopie handelt es sich um ein Mosaik, das aus millimetergroßen Steinchen zusammen gesetzt ist. Nachdem italienische Handwerker zwar für ihre Kunstfertigkeit aber auch für ihre Zeitflexibilität was Abgabetermine angeht, bekannt sind, dauerte das Werk etwas länger. Und zwar von 1805 bis 1814.

Kaiser Franz II. (I.)

Nachdem der Meister sein letztes Steinchen gesetzt hatte und von seinem Werk aufblickte, musste er feststellen, dass ihm sein Auftraggeber abhanden gekommen war. Napoleon war kein Kaiser mehr. Doch hatte er den rettenden Gedanken, sein Werk doch noch zu verkaufen. Er wandte sich an Josef I. mit dem Hinweis, dass dieser nicht nur der Schwiegervater Napoleons sondern auch dessen Rechtsnachfolger sei. Als solcher wäre er sicher an dem „letzten Abendmahl“ interessiert.

Der Kaiser sagte zu. Eigentlich war die Idee, dieses Mosaik im Belvedere aufzuhängen. Dem Kaiser dürften jedoch die Dimensionen des Werkes nicht klar gewesen sein. Das Ding wiegt etwa 20 t und hat die Originalmaße von 9,18 m x 4,47 m!

Minoritenkirche

Jedenfalls war es undenkbar, dieses riesige Mosaik im Belvedere auszustellen. Es wurde 1845 von Kaiser Ferdinand der Minoritenkirche überlassen. Diese Kirche gilt als die „italienische Kirche in Wien“ und es finden auch heute noch Gottesdienste in italienischer Sprache statt. Es ist eine sehr interessante Kirche, der ich sicher noch einen eigenen Beitrag widmen werde.

Besser als das Original

Leonardo da Vinci experimentierte bei diesem Werk mit einer Mischung aus Öl und Tempera. Dadurch gelang es ihm eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Leider erwies sich diese Mischung als nicht stabil genug und verblasste schon bald.

Das Bild wurde außerdem durch einen Bombenangriff im 2. Weltkrieg ein wenig beschädigt. Am Originalbild sind im Gegensatz zur Kopie auch die Füße Jesus nicht zu sehen, da an dieser Stelle eine Tür durchgebrochen wurde.

Man kann daher durchaus behaupten, dass dieses Bild die Farben von vor über 200 Jahren wiedergibt und auch das vollständige Bild zeigt.

mein Buchtipp

Ein sehr ausfühliches Werk über Leonardos „l‘ ultima cena“ mit viel historischen Hintergrundwissen. Spannend zu lesen.

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