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Hackl im Kreuz

Madonna mit der Axt

eine Madonna mit einer Axt im Rücken. Typisch Wienerisch!

Maria mit der Axt

Ein Spass, den ich mir gerne mit Geschäftsfreunden erlaube, die nach Wien kommen ist ein Besuch der Franziskanerkirche. Ich führe sie zum Hochaltar und zeige ihnen das Gnadenbildnis, die Madonna, mit der Frage, ob ihnen etwas auffällt. Um es vorwegzunehmen: die meisten sehen nicht die Axt, die in der rechten Seite der Madonna steckt. Auch nach mehreren Minuten nicht. Erst nach Hinweis darauf fällt diese ins Auge. Dann allerdings ist es schwierig, sie nicht mehr zu sehen.

Ich gebe zu, dass das Bild, das ich hier reingestellt habe auch nicht sonderlich geeignet ist, da ich natürlich den Stil beibehalten wollte, der diesem Blog optisch zu Grunde liegt. Daher verlinke ich hier auf die Bildersuche von Google, wo sie nach dem Klick darauf, mehrere Bilder der Madonna sehen können.

Meine (erste) Erklärung für meine Gäste ist dann meistens, dass hier die Wiener Mentalität gezeigt wird. Erst reden, die Leute schön mit Dir und loben Dich. Aber wehe, wenn Du ihnen den Rücken zudrehst. Dann hast Du das sprichwörtliche Hackl im Kreuz.

Die Legende

Die Madonna befand sich erst in dem von Heinrich dem Frommen gestifteten Männerkloster in Grünberg, Böhmen (heute Zelená Hora). Dieses Kloster wurde dann 1464 zu einem Schloss umgebaut. Die Burgherren wurden dann Anfang des 16. Jahrhunderts protestantisch. Andreas von Sternberg wollte diese Marienstatue verbrennen lassen. Jedoch kehrte sie in der gleichen Nacht noch unversehrt an ihren ursprünglichen Standort im Schloss zurück.

Nachdem diese Madonna sich als offenbar feuerfest erwies, wurde der Henker gerufen, der diese Statue mit der Axt in Trümmer schlagen sollte. Die Madonna lies die Axt nicht mehr los und diese ist immer noch in der Statue zu sehen. Es gab noch weitere Versuche, diese Statue zu zerstören. Sie endeten alle mit der Unversehrtheit der Statue und einer exemplarischen Bestrafung der Schänder der Heiligenstatue. Die protestantischen Missetäter wurden wahnsinnig, starben überraschend, töteten im Wahn ihre Mutter und vieles mehr.

1603 wurde dieses Gnadenbild dann zu einer Schlacht in der Slowakei mitgenommen. Dort wurden dann 12.000 Türken besiegt. Dieses Wunder wird, wie viele andere auch, der Marienstatue zugeschrieben. Bei dieser Schlacht wurde sie jedoch bei einem Kartenspiel verspielt und gelangte anschließend nach Wien zu den Franziskanern.

Die gesamte Geschichte ist übrigens in der Wallfahrtskirche am Attersee auf einer Bildtafel zu bewundern. Das Bild entstand um 1650 und erzählt in 24 Einzelszenen die Geschichte von der Madonna mit der Axt.

Die Geschichte

Die Madonna wurde um 1505 in Böhmen geschaffen und ist etwa 2,2 m hoch. Die in den Legenden genannten Personen lebten tatsächlich alle. Der Hintergrund dieser Madonna liegt im Protestantismus selbst. Um 1520 herum war Wien (also der heutige 1. Bezirk etwa) zu 90 % protestantisch. Die Umgebung zu fast 100 %.

Eine wundertätige Madonna, die den Ketzern und, noch wichtiger, den verbliebenen Gläubigen,  zeigt, wer denn nun die „einzig wahre Religion“ besitzt, war in diesem Zusammenhang sicher hilfreich. Ich habe in einem meiner Bücher sogar gelesen, die Axt wäre ebenfalls aus Holz; also nicht echt. Das konnte von mir leider nicht verifiziert werden. Falls jemand meiner geschätzten Leserinnen oder der werten Leser etwas dazu weiß, wäre ich um einen Kommentar dankbar.

Mein Buchtipp:

Ich habe mich beim heutigen Buchtipp für eine wunderbare Zusammenfassung der Geschichte der Protestanten in Wien entschieden. Dieses Buch bietet einen Überblick seit Beginn.

Die geschätzte Leserin und der werte Leser sollten bedenken, dass diese Geschichte durch die Gegenreformation, bei der tausende Leute vertrieben, gefoltert und enteignet wurden, durch unseren Religionskrieg zwischen 1618 und 1648 auch eine sehr bewegte Geschichte mit vielen schweren Einzelschicksalen ist. Von einigen dieser Schicksale wird hier sicher noch berichtet werden.

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