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die Sgraffiti am Schweizertor

Das Schweizertor

Das Schweizertor der Hofburg erhielt den Namen erst durch Maria Theresia. Der Name weist auf die Schweizergarde hin, welche das Tor bewachte. Das Schweizertor führt zum ältesten Teil der Wiener Hofburg. Es sind auch noch die Rollen zu sehen, welche zu der Zugbrücke gehörten, die über den Burggraben führte. Dieser innerste Teil, der sogenannte Schweizerhof, wird erstmals 1279 urkundlich erwähnt. Das Tor selbst, wurde in der derzeitigen Form 1552 von Ferdinand I. erbaut.

Es befindet sich direkt gegenüber des Denkmals von Franz I. / II. Auf diesen werden wir sicher noch in eigenen Beiträgen eingehen. Von diesem Franz gibt es eine Anekdote, die vor der Botschafterstiege spielt, die wir sehen, wenn wir durch das Schweizertor in den Schweizerhof gehen. Franz wurde aus Italien geholt um in Wien Kaiser zu werden. Als er hier eintraf und aus der Kutsche stieg soll er gesagt haben: „Aus is‘ mit der Gaudi, Johann, ab morgen bin ich Kaiserlehrling“.

Die Sgraffiti

jedenfalls, wenn wir durch dieses Tor in den Schweizerhof gehen wie wir es insbesondere als Wiener schon so oft getan haben, sind uns sicher nicht die eingekratzten Inschriften an der Innenseite des Schweizertores beim Durchgang aufgefallen. Also, bitte wenden und kurz einen Blick auf diesen Durchgang werfen. Wir sehen auf beiden Seiten interessante Inschriften. Da diese nur in den Stein einritzt sind, bemerkt die geschätzte Leserin und der werte Leser diese wahrscheinlich nur, wenn er darauf hingewiesen wird. Sie sind doch recht unscheinbar. Sie befinden sich etwa in einer Höhe von 70, 80 cm.

in memoriam …

Auf der einen Seite finden wir die Inschrift „In memoriam Caroli Altmann“. Dahinter steckt eine berührende Geschichte. Bernhard Altmann, der während der Nazizeit aus Österreich vertrieben wurde, hat aus eigenen Mitteln das Schweizertor 1949 sanieren lassen. Es befand sich nach dem Krieg in einem erbärmlichen Zustand.

Sein Vater Karl Altmann hat ihm die Geschichte Wiens und die Hofburg als Kind nähergebracht und seine Begeisterung dafür vermittelt. Es gibt auch eine Schilderung von Hr. Bernhard Altmann, dass sein Vater bei einer Osterparade im Burghof ihn damals als sechsjährigen sowie seine Schwester zwei Stunden lang auf den Schultern trug, damit sie die Parade besser verfolgen können. Im Andenken an seinen Vater und dessen, was er für ihn und die Familie geleistet und getan hat, widmete Bernhard Altmann ihm diese Sanierung des Schweizertores.

Si deus pro nobis …

Etwa in gleicher Höhe auf der anderen Seite finden wir die Inschrift „Si Deus pro nobis, quis contra nos 1660“. Also salopp übersetzt etwa: Wenn Gott mit uns ist, wer könnte gegen uns sein?

Zur Entstehung gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Allerdings passt die Jahreszahl zu keiner so richtig. Der Spruch stammt ursprünglich aus einem Römerbrief des Apostels Paulus. Es war auch der Wahlspruch von König Gustav Adolf. Dann wären wir also im 30-jährigen Krieg wo, sehr reduziert erklärt,  darum gekämpft wurde, ob nun die Katholiken oder die Protestanten recht haben. Aber 1660 war der dreißigjährige Krieg (1618-1648) bereits vorbei. Vielleicht hat sich da doch noch ein Protestant gefunden, der hier an prominenter Stelle seinen Senf zu diesem Religionskrieg und der römisch-katholischen Kirche gegeben hat?

Mein Buchtipp

Auch wenn die Hofburg bereits von den Babenbergern gegründet wurde, ist sie doch untrennbar mit dem Hause Habsburg verbunden. Habsburg hatte viele glanzvolle Zeiten aber es gab in dieser Familie auch eine ganze Menge Sonderlinge, Rebellen und Verrückte. Es ist recht erheiternd auch über diese Seite der Habsburger zu lesen, die sonst in den Geschichtsbüchern weniger häufig erwähnt werden. Daher mein heutiger Buchtipp

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