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„Redl, Sie wissen, was zu tun ist“

Das Palais in dem sich das Hotel Klomer befand

heute geht es um einen Spionagefall, der im alten Wien viel Aufsehen erregte und sogar verfilmt wurde.

Der Fall Redl

Um Alfred Redl und dessen Spionagetätigkeit ranken sich viele Mythen. Erst vor relativ kurzer Zeit wurden von Historikern neue Details ans Tageslicht gebracht, die ein ganz neues Licht auf den Fall werfen.

Ich möchte hier beide Varianten vorstellen. Die Mythen, die sich um Redl ranken und die neuen historischen Erkenntnisse. Diese Geschichte wurde auch mit hochkarätigen Schauspielern wie Klaus Maria Brandauer, Armin Mueller-Stahl und Gudrun Landgrebe verfilmt. Allerdings ist diese Darstellung alles andere als historisch sondern sehr, sehr frei interpretiert. Der Film ist aber trotzdem sehenswert. Deshalb stelle ich hier auch den Link zum Kauf rein.

Alfred Redl

Alfred Redl wurde 1864 in Gallizien geboren. Er war Nachrichtenoffizier des österreichischen Heeres. Redl hatte Zugang zu militärischen Geheimnissen, die er gegen fürstliche Bezahlung an Russland verriet.

Durch eine Postsendung mit der Bezahlung, deren Abholung er versäumte, flog die Sache auf. Es wurde sofort eine Offiziersdelegation in das Hotel Klomser, Herrengasse 19 (das Hotel gibt es nicht mehr) gesandt. Redl, wurde die Möglichkeit gegeben, Selbstmord zu begehen. Dieser Möglichkeit kam er auch umgehend nach.

Dem Kaiser teilte man mit, Redl hätte sich aus unbekannter Ursache erschossen. So kam es auch in die Zeitungen.

In der Prager Wohnung Redls wurde eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Der Schlosser, der für die Öffnung der Wohnung beigezogen wurde, bekam da doch einiges der Gespräche der Offiziere mit und erzählte dies dem Reporter Egon Erwin Kisch, der daraufhin selbst zu recherchieren begann. Der besagte Schlosser erzählte auch, die Wohnung habe „seltsam weibisch“ gewirkt.

Durch die damalige Zensur, war es Kisch aber nicht möglich, diese Nachricht auf „normalen“ Weg zu bringen. Daher erschien als Schlagzeile „Von hoher Stelle werden wir um Widerlegung der speziell in Militärkreisen aufgetauchten Gerüchte ersucht, dass der Generalstabschef des Prager Korps, Oberst Alfred Redl, der vorgestern in Wien Selbstmord verübte, einen Verrat militärischer Geheimnisse begangen und für Russland Spionage getrieben habe.“

 

die „alte“ Sicht des Falles

Der russische Geheimdienst hatte von der Homosexualität Redls erfahren. Heute würde dies keinen Hund mehr hinter den Ofen hervorlocken. Damals wäre das natürlich ein Skandal gewesen. Ein hoher Offizier seiner Majestät und homosexuell. Nicht nur, dass damals Homosexualität mit Kerker bedroht war, wäre auch das Ansehen des Offiziercorps stark geschädigt gewesen, wenn die Sache herausgekommen wäre.

Die Russen hatten mit diesem Wissen die Möglichkeit Redl zu dieser Spionage zu erpressen. Das taten sie natürlich auch.

Als die Sache aufflog und die Offiziere Redl im Hotel Klomser besuchten, hat Redl seine Spionagetätigkeit sofort zugegeben. Die Offiziere legten ihm, um ihm die Möglichkeit seine Ehre zu retten zu geben, die geladene Waffe auf den Tisch und forderten ihn mit den Worten „Redl, Sie wissen, was zu tun ist.“ zum Suizid auf. Dem kam Oberst Redl auch nach.

historische Fakten

Die Ansicht, dass der russische Geheimdienst aktiv an Oberst Redl herangetreten wäre um ihn zu erpressen ist historisch nicht haltbar. Leider, möchte man fast sagen, denn diese Geheimdienstgeschichte ist doch zu schön als dass man sich dieses Illusion zerstören lassen möchte.  In den Archiven Moskaus finden sich jedoch keinerlei Hinweise auf Redls Homosexualität. Es ist sogar anzunehmen, dass die Russen nicht mal Redls Identität kannten. Die Informationen und das Geld als Bezahlung dafür wurden immer auf dem Postweg übermittelt.

Redl hatte seine Informationen auch dem italienischen und französischen Geheimdienst verkauft. Dadurch konnte er ein sehr luxuriöses Leben führen und einige Liebhaber aushalten. Nach den derzeitigen Erkenntnissen dürfte Redl von sich aus an die Geheimdienste herangetreten sein um sein Wissen zu verkaufen. Dieser Verkauf hat unzähligen österreichischen Soldaten das Leben gekostet.

Bei dem Besuch der Offiziere im Hotel Klomser wurde Redl, den Unterlagen entsprechend, bei der Vorbereitung des Selbstmordes angetroffen. Er gestand sofort seine Spionagetätigkeit. Aus den Akten ergibt sich folgende Aussage: „Ich weiß schon, weshalb die Herren kommen. Ich bin das Opfer einer unseligen Leidenschaft; ich weiß, dass ich mein Leben verwirkt habe, und bitte um eine Waffe, um mein Dasein beschließen zu können“

Dieser Selbstmord kam dem Leiter des Offizierscorps nicht ungelegen. Franz Conrad von Hötzendorf dachte sich so auch unangenehme Fragen zu ersparen. Wie etwa, warum zu wenig Aufwand betrieben wurde um derartigen Geheimnisverkauf zu verhindern. Eine Frage die genau so peinlich gewesen wäre wie der Geheimnisverkauf selbst. Deshalb wurde auch vertuscht bis nach oben und der Kaiser erfuhr tatsächlich erst aus der Zeitung davon.

Auch nicht restlos geklärt ist der Anteil des „rasenden Reporters“ Egon Erwin Kisch. Derzeit ist der Stand der historischen Forschung dass die Geschichte mit dem zu Beginn erwähnten Schlosser vorgeschoben war um einen hochrangigen Informanten zu schützen.

mein Buchtipp

Die Autoren forschten in den Archiven mehrerer Länder um Licht in den Fall Redl zu bringen. Ein sehr interessantes und spannend geschriebenes Buch.

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