Wien Geschichte Wiener Persönlichkeiten Wiener Sehenswürdigkeiten

Maria, Josef und die Schlechtmenschen

der Vermählungsbrunnen am Hohen Markt

eine Darstellung der Hochzeit von Maria und Josef und die Dummheit der Nazis bilden die Eckpunkte unserer heutigen Geschichte

Der Vermählungsbrunnen

Der Hohe Markt ist aus mehrfacher Sicht interessant. Etwa als Gerichtsplatz mit Schranne. Dazu vielleicht in einem anderen Beitrag mehr.  Wir haben dort auch den 1. Weihnachtsbaum Wiens besucht.

Heute geht es um ein Gelöbnis Leopolds I. dessen Sohn Josef (der spätere Kaiser Josef I., von 1705-1711) im spanischen Erbfolgekrieg kämpfte. Leopold legte das Gelöbnis ab, dieses Monument zu stiften, falls Josef wieder heil aus dem Krieg zurück kommen sollte. Dieses Gelöbnis wurde allerdings erst nach dem Tod Leopolds von Josef erfüllt.

Ursprünglich war es eine Josefsäule, die von Johann Bernhard Fischer von Erlach gestaltet wurde. Ursprünglich war es also kein Brunnen. Das Ausehen ist uns in einigen Stichen aus der Zeit erhalten. Wind und Wetter hat diesem Holzmonument deutlich zugesetzt. Daher wurde es auf Befehl von Kaiser Karl VI. 1725 abgetragen und von einem Barockbrunnen nach einem Entwurf von Joseph Emanuel Fischer von Erlach ausgewechselt.

Der Brunnen stellt die Hochzeit von Maria und Josef dar. Wir sehen Maria, Josef und den Hohepriester unter einem Baldachin.

Was haben die Schlechtmenschen damit zu tun?

Die Nazis haben damals, nach 1938, mit viel Nachdruck ihre Ideologie durchgesetzt. Damals hieß es „das Judentum gehört nicht zu Europa“. Die Gründe dafür haben sie damals genau so fadenscheinig argumentiert wie ihre Nachfolger, die heute schreien „Der Islam gehört nicht zu Europa“. Leute, die sich gegen ihre Ideologie stellten und etwa gegen die Euthanasie eintraten wie der Kardinal Clemens August Graf von Galen wurden spöttisch mit dem Begriff „Gutmensch“ lächerlich gemacht.

Es wurden auch zahlreiche Straßen und Plätze umbenannt. Plötzlich hatte Wien einen Adolf-Hitler Platz, der dann erst 1945 wieder in Rathausplatz umbenannt wurde. Denkmäler, die irgend etwas mit jüdischen Persönlichkeiten zu tun hatten, wurden entfernt. Straßen mit Straßennamen, die irgend einen jüdischen Bezug hatten, wurden umbenannt.  Jüdische Lieder wurden verboten. Zum Beispiel durfte etwa das berühmte Fiakerlied nicht mehr gespielt werden. Der Komponist Gustav Pick war Jude. In Opern und Operetten, die zu beliebt waren um sie zu verbieten, wurde einfach der Namen jüdischer Librettisten in den Programmen gestrichen. So konnte auch der Führer diese Opern besuchen und diese durften weiter aufgeführt werden. Es gab einfach offiziell niemand der das Libretto, also die Texte, geschrieben hatte.

Gerhard Bronner hat einmal gesagt: „Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen:  Intelligent, Anständigkeit und Nationalsozialismus. Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig. Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent. Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.“

Das ist eine Feststellung, die ich durchaus unterschreiben kann. Meiner Erfahrung nach ist es, zumindest bei den Mitläufern, die Intelligenz, die nicht vorhanden ist. Das zeigt sich auch hier. Dieser Brunnen wurde bei der Auslöschung des jüdischen Andenkens in Wien übersehen. Er wurde nicht als jüdisch erkannt.

Maria und Josef waren Juden. Sie heiraten auf diesem Brunnen offensichtlich vor einem Rabbi. Der Baldachin ist eine jüdische Chuppa. Ein jüdisches Hochzeitszelt oder auch Traubaldachin genannt. Es erinnert an das Haus Abrahams, das, um aus allen Richtungen Gäste empfangen zu können auf allen Seiten Türen hatte. Unter einer derartigen Chuppa finden auch heute noch jüdische Trauungen statt. Also ein durch und durch jüdischer Vorgang, der hier gezeigt wird und auch unter den Augen von zahlreichen hochrangigen Nazis die hier über Jahre vorbei gingen, gezeigt wurde.

Mein Buchtipp

Der genannte Leopold I. wählte seine Beamten nach ihren Gesangskünsten aus. So wie er hatten auch andere Habsburger ihre Schrullen. Ein sehr interessant und kurzweilig zu lesendes Buch dazu ist meine heutige Buchempfehlung

geschrieben von