Sagen und Geheimnisvolles

Der Bogner, sein Weib und der Teufel

das Haus, das jetzt an der Stelle steht, wo früher das Haus "wo der Teufel mit der Bognerin rauft" war

Ein längst vergessenes Handwerk, eine resolute Dame und der Teufel bilden die Eckpfeiler dieser Geschichte

Der Teufel

Wenn sich Außenstehende die Legenden und Sagen Wiens zu Gemüte führen, liegt ihnen mit Sicherheit die Vermutung nahe, dass Wien, übertrieben gesagt, das Wohnzimmer des Teufels sei. An allen Ecken und Enden Wiens taucht er auf und setzt seine Spuren in den Sagen über viele Jahrhunderte unserer (Sagen-)Geschichte.

Wir werden hier sicher noch viele derartige Sagen thematisieren und hier dem Teufel bei seinem Wirken über die Schulter blicken. Heute geht es um eine Sage, auf welche sogar mit einer Malerei auf der Fassade des Hauses hingewiesen wurde. Leider gibt es dieses Haus nicht mehr. Das hindert uns natürlich nicht daran, uns mit dieser alten Wiener Geschichte zu beschäftigen.

Die Sage

In der Bognergasse in Wien waren, wie der Name bereits nahelegt, die Pfeil- und Bogenmacher zu Hause. Ein Beruf, den es inzwischen mangels Bedarf an Pfeilen und Bögen, nicht mehr gibt. Der Name der Gasse ist aber noch immer der gleiche wie im Mittelalter und weist noch auf diese inzwischen untergegangenen Profession hin.

Hier wohnte in dem Haus, das sich heute in der Bognergasse 3 (ursprünglich 2 Häuser) befindet, der Bogner Kaspar Pergauer. Ein guter Mann. Und ein guter Bogner, der mit seinen hochwertigen Bögen auch gut verdiente und sein Auskommen hatte. Kasper verliebte sich. Ursula hieß seine Angebetete. Oder auch nicht. In den diversen Varianten der Sage sind auch andere Namen erwähnt.

Jedenfalls gefiel ihm an ihr ihre sehr selbstbewusste Art und dass sie nicht schüchtern war. Daher führte er sie auch zum Altar. Leider zeigte sich bald, dass sein angetrautes Weib weniger selbstbewusst als herrisch und streitsüchtig war. An allem was er tat, hatte sie etwas auszusetzen. Ging er auf ein Bier, war es ihr nicht recht. Trank er stattdessen Wein, hatte sie auch daran etwas auszusetzen. Wenn er sich um sie kümmerte, keppelte sie, dass er seine Kunden vernachlässigte. Wenn er in der Werkstatt war, beanstandete sie lautstark, dass er nie für sie da sei. Das alles in hoher Stimme und ziemlich lautstark.

Der Bogner verlor seine Lebensfreude und wurde immer mehr zum Gespött seiner Freunde, die er sieimmer weniger im Wirtshaus besuchte, um seiner Frau keinen Grund für ihr Keppeln zu geben. Als er eines Tages ihr Gekeife nicht mehr aushielt flüchtete er in seiner Not aus der Wohnung. Verzweifelt lehnte er sich am Petersfriedhof an einen Grabstein und rief den Teufel an. Wie wir aus der Einleitung wissen, ist er in Wien sozusagen zu Hause und war natürlich sofort zur Stelle.

Der Teufel machte dem Bogner das Angebot, seine Frau zu zähmen. Als Bezahlung wurde, wie in solchen Fällen üblich, des Bogners Seele vereinbart. Da dem Bogner inzwischen klar war, dass das, was er auf Erden erlitt, auch nicht schlimmer war, willigte er ein.

Der Teufel erschien in Gestalt des Bogner bei dessen Frau (vielleicht auch in Erwartung einer kleinen erotischen Zugabe zur Bezahlung) und versuchte die Frau mit Komplimenten und sanften, liebevollen Worten zur Einsicht zu bewegen. Die Antwort der Frau waren einige saftige Watschen, wie man bei uns in Wien die Ohrfeigen nennt. Den ganzen Tag über büßte der Teufel an Stelle des Bogners seine sicher vielfältigen Sünden ab. Der arme Teufel kam bei Ursula gar nicht zu Wort um seine wohlüberlegten Worte wirken zu lassen. Wenn er sprach wurde das sofort von der lauten, hohen Stimme Ursulas und den Watschen übertönt. Als sie merkte, dass er versuchte, sie zu beschwichtigen, schüttete sie ihm die heiße Suppe über den Kopf und beförderte ihn mit Fußtritten zur Tür hinaus.

Am nächsten Tag, versuchte der Teufel seinen Teil des Vertrages doch noch zu erfüllen. Da es im Guten nicht ging, wollte er sich als das zeigen, was er war. Als der Höllenfürst. Er war sich sicher, dass er Ursula so entsprechend beeindrucken und zu einem Sinneswandel überzeugen würde. Allerdings hatte er nicht mit der Entschlossenheit Ursulas gerechnet. Der Teufel bezog die Prügel seines Lebens und sogar ein Horn brach sie ihm ab. Ihm blieb nichts Anderes übrig als das Weite zu suchen.

Der Bogner musste natürlich für seinen Vertrag nicht in die Hölle. Er hatte seine Sünden auf Erden genug gebüßt. Was aus Ursula nach ihrem Tod wurde, ist nicht ganz geklärt. Der Himmel blieb ihr mangels Zuständigkeit verschlossen und in der Hölle hatte sie Hausverbot. Vielleicht irrt sie immer noch als verlorene Seele irgendwo in Wien herum.

Am Haus in der Bognergasse wurde zum Gedenken an diesen armen Bogner ein Bild, das die Auseinandersetzung der Bognerin mit dem Teufel zeigt, angebracht. Darunter befand sich die Inschrift:

Pestilenz und Not ein Übel ist,
Krieg ein arger Zeitvertreib.
Doch schlimmer als Teufels Tück‘ und List
Ist, Gott behüt uns! ein böses Weib.

Das Haus

Diese Inschrift des Hauses ist historisch belegt aber nicht mehr vorhanden. An Stelle des derzeitigen Hauses Bognergasse 3 standen 2 Häuser. Beide sind nicht mehr vorhanden. Sie lassen sich zurück verfolgen bis ins Jahr 1446. Der Hausname des Hauses war „wo der Teufel mit der Bognerin rauft“. Die beiden Häuser wurden 1839 baulich verbunden. Der jetzige Neubau stammt aus dem Jahr 1902. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Haus enteignet bzw. arisiert, wie man es damals nannte. Nach 1945 wurde es allerdings wieder rückübereignet.

Das Haus geht bis in die Naglergasse 4 durch. Dort wohnte der Exbürgermeister Zilk. Und dort geschah auch das Briefbombenattentat durch den rechtsradikalen Terroristen Fuchs.

Mein Buchtipp

Heute möchte ich eine Zusammenstellung Wiener Sagen ans Herz legen. Ich kenne keine Stadt, die so viele Sagen aufzuweisen hat, wie Wien.

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