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Wien, der Holunder, der Flieder und die Kastanie

SW-Bild des Gasthauses "zum Holunderstrauch"

Dieses mal geht es um den in Wienerliedern oft besungenen Flieder und den Kastanienbaum. Was der Holunder damit zu tun hat erfahren Sie im Beitrag.

Importware

Wien war immer schon ein Schmelztiegel der Kulturen. Wien lebt von Zuwanderern wie etwa Mozart, der ein Salzburger war oder von Gerichten der Wiener Küche, wie etwa den Palatschinken, die urspünglich aus Ungarn stammen oder den Buchteln aus Böhmen.

Was die Wenigsten wissen, ist der Umstand, dass dies auch für jene Pflanzen gilt, die wohl am meisten mit Wien in Verbindung gebracht werden und so typisch sind, dass sie auch im Wienerlied verewigt wurden.

Der Flieder

Wer auf der Mölkerbastei steht, und seinen Blick schweifen lässt, sieht vor sich die Votivkirche, das Liebenbergdenkmal, die Universität und links, die Schreyvogelgasse mit dem Gasthaus „zum Holunderstrauch“.

Dieser Name erinnert an den alten Hausnamen „zur Holunderstaude“. Im Vorgängerhaus, das bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts dort stand, wohnte im 16. Jahrhundert Ogier Ghislain de Busbecq. Der Gute war auch nicht gerade ein autochthoner Wiener, sondern stammte aus Flandern und war lange Zeit im diplomatischen Dienst. Als Diplomat war er auch mit den Friedensverhandlungen mit dem türkischen Sultan betraut. Suleiman der Prächtige schenkte ihm Tulpenzwiebeln, Hyazinthen und auch Fliedersetzlinge. Diese brachte Ogier Ghislain de Busbecq nach Wien, wo er vor seinem Haus einen Fliederstrauch pflanzte. Daher stammt auch der Hausname.

Ganz Wien war von der Schönheit und dem Duft des Flieders beeindruckt. Ogier Ghislain de Busbecq war mit diesen Pflanzen sehr großzügig und schenkte jedem, der an seine Tür klopfte und danach fragte, einen Setzling. So kam der Flieder nach Wien.

Die werte Leserin und der geschätzte Leser werden, sofern sie den Beitrag aufmerksam gelesen haben, sich jetzt fragen ob die Geschichte stimmen kann. Immerhin heißt das Haus nicht „zum Fliederstrauch“ sondern „zum Holunderstrauch“.

Flieder ist ein uralter Name für Holunder. Bei meinen Recherchen für diesen Beitrag bin ich darauf gestoßen, dass der Holunder in Norddeutschland im Volksmund immer noch Flieder genannt wird. Die Pflanze aus der Türkei wurde in Wien „türkischer Flieder“ genannt. Irgendwann ging der alte Name „Flieder“ als Bezeichnung für „Holunder“ in Österreich offenbar verloren. Also Holunder = Flieder, Flieder ≠ Holunder.

Offensichtlich war hier ein Missverständnis bzw. eine Verwechslung im Spiel und der Holunderstrauch nach dem auch das Gasthaus benannt wurde, war ursprünglich eigentlich ein Flieder.

Ich selbst habe dieses Gasthaus in der Schreyvogelgasse 3 bisher noch nicht besucht. Es dürfte aber, wenn man den Bewertungen im Netz glauben darf, sicher einen Besuch wert sein. Im Vorjahr war dieses Restaurant durch eine Maibaum-Aktion von Boku-Studenten übrigens sehr intensiv in den Medien vertreten.

Der Kastanienbaum

In der Literatur wird fallweise auch Ogier Ghislain de Busbecq mit der Einfuhr der Kastanien in Zusammenhang gebracht. Dies ist jedoch historisch nicht haltbar. Es dürfte sich bei dem Importeur der ersten Rosskastanien in Wien um Charles de l’Écluse, genannt Carolus Clusius gehandelt haben, den ich bereits in dem Beitrag über die Erdäpfel erwähnte. Clusius importierte die Rosskastanie 1576 um damit den Garten des Schloss Neugebäudes zu bepflanzen. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. hat etliche seiner Gärten und Alleen ab 1615 mit Kastanienbäumen ausstatten lassen. Dadurch war der Adel Europas natürlich in Zugzwang und hat seine Gärten ebenfalls mit diesem Baum geschmückt.

Die Rosskastanie war bald auch beim Volk als Schattenspender in Gastgärten beliebt. Wie bereits erwähnt, wurden nicht nur dem Flieder  (in diesem Beispiel sogar von Strauss!) sondern auch dem Kastanienbaum Wienerlieder gewidmet.

Mein Buchtipp

Die Habsburger waren bekannt für ihre Leidenschaft für Gärten. Franz Joseph war sogar gelernter Gärtner. Kaiser Franz II. / I. hatte sogar den Spitznamen „der Blumenkaiser“, da er sich sehr intensiv mit der Gestaltung seiner Grünanlagen beschäftigte. Passend zum heutigen Thema daher mein Buchtipp

Da ich mir nicht ganz entscheiden konnte, welches Buch ich empfehle, für alle, die auch Gärten lieben aber es etwas aktueller haben wollen als alte, längste gestorbene und vertrocknete Habsburger, hier noch ein Buchtipp:

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