Wiener Persönlichkeiten

Sklavinnen der Tugend

die Ursulinenkirche und das ehemalige Ursulinenkloster

Eleonora von Gonzaga und die Italienisierung Wiens sind die Themen des heutigen Beitrages.

Wien ist italienisiert

Als Wiener, der kaum etwas mit Fremden zu tun hat, fällt dies kaum auf. Wenn man jedoch, so wie ich, ständig im Ausland und mit Ausländern zu tun hat, fällt einem auf, dass wir in Wien unglaublich viele italienische Ausdrücke verwenden. So ernten die Begriffe Fisolen, Ribisel, Karfiol um nur einige zu nennen, bei Deutschen oder Schweizern lediglich verständnislose Blicke. Dabei sind es lediglich Verballhornungen der italienischen Begriffe fagioli, ribe und cavolfiore. Ich habe mich daher ein wenig auf die Spurensuche nach den Gründen dieser Italienisierung begeben.

Eleonore von Gonzaga

Genauer gesagt Eleonora Magdalena Gonzaga von Mantua-Nevers (nicht zu verwechseln mit Eleonora Gonzage, der Älteren, die mit Ferdinand II. verheiratet war), war die Gattin Ferdinands III.

Sie war offenbar eine sehr interessante Person. Jedenfalls brachte sie die italienische Kultur nach Wien. Der Ruf Wiens als Opernstadt geht auf sie zurück. Sie brachte dieses „Musikformat“ erst nach Wien und machte es populär. Durch ihren Einfluss auf die Kultur und auch ganz allgemein durch das von ihr propagierte „Italofeeling“ war es damals für Künstler ohne Ausbildung in Italien nicht möglich, Fuß zu fassen. Sie verfasste auch Gedichte in italienisch und förderte alles, was irgendwie mit Italien zu tun hatte.

Sklavinnen der Tugend

Die werte Leserin und der geschätzte Leser werden sich nun über die Überschrift wundern. Bisher war ein Zusammenhang dieser Geschichte mit der Überschrift nicht erkennbar.

Eine weitere Eigenschaft Eleonoras war ihre bedingungslose Frömmigkeit. So brachte sie auch den italienischen Orden der Ursulinen nach Wien, die damals in der Johannesgasse (siehe Foto) ihr Kloster hatten. Dieses Kloster ist inzwischen ein Studentenheim. Die Kirche daneben besteht aber noch.

1662 gründete Eleonora den Damenorden der „Sklavinnen der Tugend“. Dieser Orden war begrenzt auf 30 Mitglieder. Prinzessinnen waren von dieser Begrenzung ausgenommen. Es wurden nur adelige Frauen aufgenommen. Dieser Orden sollte „die reine Tugend mitten im Geräusche des großen Weltlebens erhalten … denn ohne die Tugend und die Kunst seine Leidenschaften zu beherrschen hätten alle Vorzüge des angestammten Adels nicht den geringsten Wert“

Die Zahl der Damen betrug schließlich 72 Mitglieder.

Bereits 6 Jahre Später wurde der Orden ersetzt von dem von Eleonora gegründeten Orden der Damen vom Sternenkreuz. Ich gehe mal davon aus, dass dies nicht daran lag, dass Eleonora das Interesse am Thema Tugend verlor, sondern dass in dem Orden der Sklavinnen der Tugend auch Protestanten zugelassen waren. Dieser „Fehler“ wurde bei dem Orden der Damen vom Sternenkreuz nicht mehr begangen.

die Gonzagagasse

Ach ja, falls sich jemand fragen sollte: Die Gonzagagasse im 1. Bezirk hat nichts mit den beiden Eleonoras von Gonzaga zu tun sondern geht auf Hannibal Fürst von Gonzaga (1602–1668) zurück. Muss jedenfalls ein sehr interessanter Mann gewesen sein.

Die Gonzagagasse war mir in meiner aktiven Dienstzeit als Polizeibeamter ein Begriff. Damals fanden im dortigen Gesundheitsamt die regelmäßigen Untersuchungen der Prostituierten auf Geschlechtskrankheiten statt. Das ist aber lange her.

Buchtipp

Heute ein Kochbuch. Wie beschrieben, holte Eleonora den italienischen Orden der Ursulinen nach Wien. In Italien wird sehr gut gekocht. In Klöstern sowieso. Daher stelle ich hier ein Kochbuch der Ursulinen mit 560 (!) Rezepten aus dem Jahr 1716 als Buchtipp rein. Das Buch ist ein Nachdruck aus dem Salzburger Ursulinenkloster und wurde dort nachweislich über viele, viele Jahre verwendet.

geschrieben von