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der Bankier und der Floh

SW-Bild des Palais Todesco

Ein jedes Licht hat seinen Schatten, eine jede Frau hat ihren Gatten.

Palais Todesco

Neben der Oper, Kärntner Straße 51, befindet sich das Palais Todesco. Es wurde für die Familie Todesco 1861-1863 erbaut. Die Architekten waren Christian Ludwig Förster und Theophil Hansen. Die Inneneinrichtung stammte von Hansen. Eine Bildersuche auf Google offenbart noch die Pracht, in der diese etwa 500 Zimmer dieses Palais ausgestaltet waren. Die Grundfläche des Palais beträgt 1759 m².

Ursprünglich befand sich hier der Kärntner Turm. Hier wurden 1529  die letzten Angriffe der Osmanen zurück geschlagen. Am Palais ist eine Gedenktafel dazu angebracht. Also hier, im Bereich der Walfischgasse, verlief die Stadtmauer des alten Wiens.

Der Salon Sophies

Die Gattin Todescos, Sophie, war sehr kunstsinnig und kulturell sehr interessiert. Im Salon des Palais traf sich alles, was damals in Wien auf dem Gebiet der Kunst, der Musik und Literatur Rang und Namen hatte. Hier verkehrten Hugo von Hofmannsthal, Ferdinand Saar, Eduard Bauernfeld und hier lernte auch Johann Strauss seine spätere Frau Jetty Treffz kennen und lieben.

Eduard Todesco

Eduard Freiherr von Todesco war Unternehmer und Bankier. So war er gemeinsam mit seinem Bruder Moritz ein Großhandelshaus und eine Privatbank. Ab 1858 war er auch Eigentümer der Textilfabrik Mariental.

Die Geschäfte liefen gut und so brachte es die Familie zu unermesslichem Reichtum. Die Liebe zur Kunst, zur Musik und zur Literatur teilte Todesco allerdings nicht mit seiner Gattin. Er war gewiss nicht unintelligent. Man sagte ihm nach den Verstand eines Indianers zu haben. Todesco würde sein Ohr auf den Boden legen und die Kurse galloppieren hören. Er war ein Finanzgenie ohne höhere künstlerische Interessen, ohne Sinn für Kunst und Kultur. Von Bauernfeld soll daher das oben angeführte Zitat stammen, das sich auf Todesco bezieht: „Jedes Licht hat seinen Schatten, jede Frau hat ihren Gatten.“

Der Floh

Es gab damals auch eine satirische Wochenzeitschrift mit dem Namen „der Floh“. Diese brachte regelmäßig ihre sogenannten Tadescoiaden, in denen sich die Zeitschrift über das mangelnde Kunstverständnis Todescos und auch dessen äußerst kreativen Gebrauches von Fremdwörtern (um es euphemistisch auszudrücken) lustig machte. Diese Beiträge waren mit mehr oder wenig offensichtlichen antisemitischen Scherzen und Anspielungen gespickt.

Diese Todescoiaden zeigen den Humor der damaligen Zeit und sind heute nicht mehr lustig. So wie sich die Zeiten wandeln, wandelt sich auch der Witz einer Gesellschaft. Ich verzichte daher darauf, hier Auszüge davon zu übernehmen. Trotzdem sind diese Todescoiaden ein wichtiges Zeitzeugnis und ich verlinke daher hier darauf.

mein Buchtipp

Ein sehr informatives Buch über die Leute, die mit der Ringstraße zu tun hatten. Architekten, Bauarbeiter, Bewohner. Gut zu lesen und sehr informativ. Bereits die Beschreibung auf Amazon macht Lust darauf, dieses Werk zu lesen.

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