Sagen und Geheimnisvolles Wien Geschichte Wiener Mittelalter

Wer lugt denn da um die Ecke?

eine der Figuren am Regensburger Hof

eine Sage mit vielen Abwandlungen und die Erinnerung daran in Stein gehauen. Das sind die die Eckpunkte der heutigen Geschichte.

Das Lugeck

Wenn die geschätzte Leserin oder der werte Leser von der Rotenturmstraße in das Lugeck einbiegt, fällt der Blick unweigerlich auf den hinter dem Gutenbergdenkmal gelegenen Regensburger Hof. Das ist natürlich nicht mehr das originale Haus. Dieses hier stammt aus 1898. Mit diesem Haus und seinem Gast Matthias Corvinius werden wir uns noch an anderer Stelle eingehender beschäftigen.

Auf dem Haus sind an den Ecken rechts und links, eine männliche und eine weibliche Figur zu bewundern, die um die „Ecke lugen“. Das ist eine Anspielung auf die Sage, nach welcher dieser Platz seinen Namen erhalten hat.

Die Sage und ihre Abwandlungen

Ein wohlhabendes Bürgerpaar hatte einen Sohn. Dieser verliebte sich unsterblich in ein Mädchen. Dieses Mädchen stammte jedoch aus ärmlichen Verhältnissen und war den Eltern, die ein anderes Mädchen für ihren Sohn als Gattin vorgesehen hatten, nicht gut genug. Daher verboten sie ihm, das Mädchen zu heiraten.

Der Bursch schnappte sich das Mädchen, pfiff auf seine Erbschaft und verlies bei Nacht und Nebel die Stadt. Die Eltern standen, von Selbstvorwürfen geplagt, täglich an der Ecke des Hauses und schauten, ob er wieder kommt. Sie halten, als steinerne Vertreter, immer noch Ausschau nach ihm.

Es ist ganz natürlich, dass sich Sagen im Laufe der Jahrhunderte wandeln. Ich kenne diese Geschichte in mehreren Ausführungen. Die bereits angeführte, romantische, Variante, finde ich am schönsten. In weiteren Varianten, sind nicht die Hormone schuld, dass der junge Mann Wien verlässt sondern der Bursch zieht in den Krieg. Die Eltern schauen täglich um die Ecke, ob er wohl wieder zurück kehrt. Er wird in der Fremde reich und kommt zurück. Aus Dankbarkeit an seine Eltern baut er das Haus neu und verewigt seine alten Eltern an den Hausecken.

In einer weiteren Variante ist der junge Mann nicht so edel, sondern versucht die Truppenkasse zu stehlen. Er wird jedoch gefasst und grausam hingerichtet. Die Eltern warten heute noch.

Die Fakten

Die erste urkundliche Erwähnung dieses Ortes erfolgte 1338 unter dem Namen „unter den Fleischbänken bei St. Stephan“. Hier wurde also Fleisch verkauft. 1387 ist dann der Name „Auf dem Lueg“  gesichert.

Es gibt die Meinung, hier wäre eine Art Aussichtsturm gestanden. Es gab dort allerdings nur einen Patrizierhof, später Federlhof genannt, auf dem sich ein Turm befand. Unter dem Link ist auch ein alter Stich dieses großartigens Baus zu sehen, der sich vom Beginn der Bäckerstraße bis zur Rotenturmstraße zog. Ob der Name Lugeck wirklich auf den Turm dieses Hauses zurück zu führen ist, ist nicht gesichert. Gesichert ist jedoch, dass dieser Ort 1521 als einer von vier Plätzen in Wien bezeichnet wurde, auf welchen monatliche Anschläge gemacht wurden. Also wer wissen wollte, was es Neues gibt, was sich die Obrigkeit für Vorschriften hat einfallen lassen und auch sonst auf dem Laufenden bleiben wollte, musste in diese Ecke Wiens und nachschauen („lugen“).

An diesem Platz gab es auch sonst Einiges zu sehen. Es war eines der wichtigstens Zentren des Handelns und wichtiger Marktplatz. Hier stand auch 1529 vorübergehend ein Galgen. Hinrichtungen waren ebenfalls ein Schauspiel bei dem gerne zugesehen wurde.

Mein Buchtipp

Als kleinen Bezug auf den dort aufgestellten Galgen, schlage ich heute ein Buch Meister Frantz vor. Frantz Schmidt war ein Scharfrichter im 16. Jahrhundert. Die Besonderheit war, dass er zwischen dem Abtrennen von Köpfen oder verschiedener Extremitäten noch die Zeit fand, ein Tagebuch zu schreiben. Dieses wurde von einem Historiker ausgewertet, der nun Einblick in das Leben des Scharfrichters und seiner Zeit gibt. Sehr lesenswert!

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