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Der Hahn am Stephansdom

SW Bildes des Hahnes am Dach des Wr. Stephansdomes
Der Hahn, der als Trompete dient dem Morgen, erweckt mit schmetternder und heller Kehle den Gott des Tages, und auf seine Mahnung, sei’s in der See, im Feu’r, Erd‘ oder Luft, eilt jeder schweifende und irre Geist in sein Revier.
Hamlet I, 1. (Horatio)

Der Hahn

Wer sich das Vergnügen gönnt und die € 5,5- investiert um auf den Nordturm des Stephansdomes zu kommen, wird mit einem wunderbaren Blick über Wien belohnt. Relativ unbeachtet bleibt bei dieser Aussicht der Hahn, der sich auf dem Dach des Stephansdomes befindet.

Das verwundert auch nicht, da dieses Tier häufig auf Dächern und Häusern zu finden ist. Im Volksglauben vertreibt der Hahn die bösen Geister und bietet Schutz vor ihnen. Bei Tagesanbruch, sobald er kräht, müssen alle Geister verschwinden. Shakespeare hat dies in den oben angeführten Zitat im „Hamlet“ so wunderbar zum Ausdruck gebracht.

Der Hahn gilt daher als Schutzsymbol für Häuser vor bösen Geistern.

Kaspar von Schlezer

Mit diesem Hahn am Stephansdom hat es aber einen anderen Hintergrund. Wieder einmal hat der Teufel seine Hand im Spiel. Der junge Ritter Kaspar von Schlezer wurde ausgewählt, dem Sultan von Konstantinopel eine wichtige, geheime Nachricht zu überbringen.

Der Ritter war zwar natürlich stolz darauf, dass er dafür ausgesucht wurde allerdings war er auch erst recht kurz mit einer sehr schönen Frau verheiratet, die er über alles liebte. Da hätte er sich auch andere Beschäftigungen gewusst, als sich über viele hundert Kilometer den Hintern wund zu reiten. Zum Abschied und als Andenken für die Reise schenkte ihm seine Gattin ein silbernes Kreuz, das er um den Hals trug und das ihn während der Reise an sie erinnern sollte.

Die Botschaft wurde überbracht. Auf der Rückreise jedoch wurde sein Schiff von Piraten überfallen und er von diesen als Sklave an einen Scheich verkauft. Jahrelang leistete er für diesen seine Sklavenarbeit. Er sah keine Möglichkeit der Flucht. Nur sein Kreuz, das er versteckt unter seinem Hemd trug, erinnerte ihn an seine Heimat und seine geliebte Frau.

Der Traum und der Teufel

Nach 5 Jahren ohne Nachricht wurde er in Wien für tot erklärt und seine Gattin gab der Werbung seines besten Freundes nach. Immerhin musste sie auch auf ihre weitere wirtschaftliche Versorgung achten. In der Nacht vor der Hochzeit träumte von Schlezer, dass seine Frau seinen Freund im Stephansdom zum Manne nimmt. Getrieben von Leid und Eifersucht schreckte er aus dem Schlaf und rief: „Ich muss sofort nach Wien. Und wenn es meine Seele kostet.“ Plötzlich erschien der Teufel, reitend auf einem Gockel und rief: „Deal!“ oder irgend etwas Adäquates in mittelalterlichen Deutsch. Der Ritter erschrak und nachdem ihm „WTF?“ (oder etwas Adäquates in mittelalterichen Deutsch) durch den Kopf gegangen ist, gewann er wieder die Fassung und begann zu verhandeln. Der Teufel bot ihm an, auf diesem Gockel mit ihm durch die Luft zu reiten und rechtzeitig in Wien zu sein. Der Preis wäre seine Seele.

Der Ritter willigte ein. Allerdings unter der Bedingung, dass er den ganzen Flug über schlafen würde. Sollte er aufwachen, wäre der Vertrag hinfällig. Ob dies aus einer Eingebung heraus war oder der junge Mann einfach Flugangst hatte, geht aus der Geschichte nicht hervor.

Nachdem der Teufel mit dieser Klausel kein Problem hatte, setzten sich die Beiden auf den Gockel. Auf eine Handbewegung des Teufels schlief von Schlezer ein und der Flug begann. Kurz vor Wien fasste der Ritter im Schlaf an sein silbernes Kreuz. Plötzlich begann der Hahn ganz laut zu krähen. Schletzer erwachte durch diesen Wirbel.

Der Teufel war selbstverständlich stocksauer. Er hatte die Arbeit, die Spesen und nichts daran verdient. Daher warf er seinen Fluggast voller Zorn in die Donau. Zerschunden und mit blauen Flecken wurde er von Passanten aus den Wasser gezogen und erreichte rechtzeitig den Stephansdom wo er die Hochzeit verhindern konnte.

Als Dank dafür spendete er den Hahn, den der Besucher vom Turm aus sehen kann dem Dom.

Mein Buchtipp

Heute stelle ich ausnahmsweise einen Krimi vor. Dieser spielt im Wien der Jahrhundertwende und lässt dieses dekadente Wien von damals wieder lebendig werden. Eine wunderbare, leichte Urlaubslektüre.

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