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Schmausen wie bei Hof

Wien, Bäckerstraße 16, SW-Bild

Man mische gutes Essen und gute Beziehungen in der Zeit Maria Theresias und das Ergebnis ist – das Schmauswaberl

Essen bei Hof

Die Habsburger waren nicht gerade als Feinschmecker berühmt. Die eiserne Disziplin, die von klein auf beigebracht wurde, dürfte allem, was nicht rein zweckmäßig war, entgegengestanden sein. Daher wurde auch dem Genuss kein großer Wert beigemessen.

Dies bedeutet aber nicht, dass bei den diversen Festen oder Essen die mit Gästen abgehalten wurden wurden, gespart wurde. Hier wurden unglaubliche Mengen aufgetischt. Es war auch nötig zu zeigen, was man hatte. Dies führte dazu, dass aber auch unglaubliche Mengen übrig blieben, die der Dienerschaft oder hohen Beamten mitgegeben wurden. Es gibt historische Quellen, welche die Vermutung äußern, dass dieses Überangebot von der Dienerschaft bzw. dem Küchenpersonal selber herbeigeführt wurde. Es steht geschrieben, dass lediglich ein Drittel des am Hof zubereiteten Essens auch bei Hof verspeist wurde. Der Rest landete in den Bäuchen der Bediensteten. Ich kann leider nicht feststellen, ob dies übertrieben ist oder den Tatsachen entspricht.

Schmauswaberl

Die Wirtin Barbara Roman, die Witwe eines Husaren hatte es mit Beziehungen geschafft, dass Maria Theresia die Verteilung des übrig gebliebenen Essens auf die Diener einstellte. Der Hof verkaufte um sehr wenig Geld, dieses Essen an Barbara Roman. Ich gehe davon aus, dass es die die Hofbediensteten auch etwas übertrieben haben. Es wurde immer mehr produziert um die gesamte Familie in den kostenlosen Genuss dieses Essens kommen zu lassen. Die Kosten des Hofes stiegen und der Verkauf der Restln war daher auch eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Wenn diese Gratisverköstigung nicht mehr stattfindet, ist das Interesse an der Überproduktion geringer und ein wenig war an den Resten noch zu verdienen. Auch wenn die Menge der Reste, die nach dieser Entscheidung an das Restaurant verkauft wurden, immer noch enorm gewesen sein soll.

Das Lokal der Fr. Roman in der Neustiftgasse 15 („zum goldenen Schiff“) war immer brechend voll. Sie konnte die Speisen günstig verkaufen und jeder Wiener war natürlich daran interessiert, was denn bei Hofe so gegessen wird. Die Qualität der Speisen war aber auch entsprechend gut.

Barbara Roman war berühmt und die Wiener hatten bald einen Spitznamen für sie. Da man bei ihr gut schmausen konnte und es in Wien die heute eher ungebräuchliche Kurzform „Waberl“ oder „Wawerl“ für Barbara gibt, lag der Spitzname Schmauswaberl nahe.

Es gab dann noch weitere solcher Gasthäuser mit Restlessen vom Hof. Das Bekannteste befand sich in der Bäckerstraße 16. Ich habe unterschiedliche Angaben dazu gefunden, ob es sich um die selbe Betreiberin wie in der Neustiftgasse handelte. Jedenfalls war dieses Lokal jeden Tag mit Studenten der in der Nähe befindlichen alten Universität gut gefüllt.

Und heute?

In der Neustiftgasse befinden sich im selben Haus des ehemaligen „goldenen Schiffes“ 2 Lokale. Einerseits ein Thai-Restaurant andererseits ein Wiener Beisl. Ich muss zugeben, dass ich beide nicht kenne und noch in keinem der Beiden gegessen habe.

Das Haus in der Bäckerstraße 16 ist historisch sehr interessant. Die Grundmauern, die das Haus tragen, lassen sich auf etwa 1000 datieren, als hier 2 Giebelhäuser standen. Der Keller ist immer noch original aus dem 13. Jahrhundert. Der Dachstuhl original Barock aus dem Jahr 1712. Das derzeitige Aussehen des Hauses stammt aus diesem Umbau.

Derzeit befindet sich dort die größte Indoorkletterhalle Wiens. Das Haus ist Sitz des Dachverbandes Alpiner Vereine Österreichs.

Mein Buchtipp

Es gibt einen historischen Roman mit dem Titel Maria Theresia und die Schmauswaberl vom Spittelberg, der dieses Thema behandelt. Leider wird dieser nicht mehr aufgelegt, ist aber hier bei Google Books zu lesen.

Wenn sich die geschätzte Leserin oder der werte Leser allgemein für die Wiener Küche interessiert, ist natürlich „der Plachutta“ sehr zu empfehlen.

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