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Der Schani und sein Garten

Der Grabenhof in Wien

Die Ausländer sind schuld. Wieder einmal. Ein Beitrag über Wirtschaftsflüchtlinge und Parallelgesellschaften in Wien.

Das Café Taroni

Ein verarmter italienischer Wasserbrenner (Branntweinerzeuger) kam 1732 nach Wien um hier sein Glück zu suchen sowie seine wirtschaftliche Situation zu verbessern und erhielt hier das Bürgerrecht. Heute würde man so jemanden als Wirtschaftsflüchtling bezeichnen. Jedenfalls war er fleißig und er brachte es 1748 zu einem Café am Graben. Das Café Taroni. In seinem Café hatten sogar Frauen Zutritt. Das Cafe befand sich an der Stelle, an der sich jetzt der Grabenhof befindet. Also Hausnummer 14-15.

Er war nicht nur was die Zubereitung seines Kaffees anbelangte sehr gut sondern hatte auch hervorragende geschäftliche Ideen. Seine wohl Beste war, vor seinem Geschäft Sessel aufzustellen, damit seine Gäste die Limonade (ab 1754 hatte er auch die Erlaubnis zu einem Limonadenzelt zum Ausschank von „Erfrischungswasser“ am Graben) und seinen Kaffee im Freien genießen konnten. Diese Idee war in Wien recht neu und er erhielt auch tatsächlich die Bewilligung dafür. So standen an der Wand entlang die Stühle und es konnte das Treiben am Graben beobachtet werden. Der Ort um zu sehen und gesehen zu werden.

Erfolgsfaktor

Die Getränke auf diesen Sesseln zu trinken war natürlich vor Allem für die männlichen Gäste interessant. Wie schon an anderer Stelle in diesem Blog erwähnt, war der Graben zu dieser Zeit bekannt für die dort stattfindende Prostitution. Durch die Keuschheitskommission musste dies natürlich versteckt ablaufen. Also schlenderten mehr oder weniger junge Frauen mit einem Gebetbuch in der Hand „in die Kirche“ und versuchten über Blicke Interessenten anzulocken. Dies alles sehr vorsichtig und unauffällig.

Als präsumtiver Kunde wollte man(n) ja auch nicht unbedingt eine wirkliche Kirchgängerin ansprechen und peinliches Aufsehen erregen. Vor dem Café Taroni konnten so unauffällig die Damen beobachtet werden und wenn die gleiche Kirchgängerin in einer halben Stunde mit ihrem Gebetbuch mehrfach vorbeikam, war die Sache klar und es konnte Kontakt zum Geschäftsabschluss aufgenommen werden. Außerdem konnte so das Angebot, das zu dieser Zeit gewaltig gewesen sein soll, begutachtet werden.

Nach dem Tod Maria-Theresias, wurde Josef II. vorgeschlagen, Bordelle in Wien zu erlauben. Seine Antwort soll gewesen sein: „Was Bordelle! Da brauchte ich über ganz Wien nur ein großes Dach machen zu lassen, und das Bordell wäre fertig.“

Treffpunkt der italienischen Community

In josefinischer Zeit entwickelte sich dieses Café zum Treffpunkt der in Wien ansässigen Italiener. Heute würde man wohl von einer Parallelgesellschaft sprechen, die sich etablierte. Außerdem war das Café dafür bekannt, dass dort unter der Hand sogenannte Redoutenbillets bezogen werden konnten. Das waren Freikarten für Theater- oder Konzertaufführungen, welche kostenlos  an Hofbedienteste abgegeben wurden.

Der Schanigarten

Die Idee, bei schönem Wetter Stühle und später auch Tische vor ein Lokal zu stellen, machte natürlich Schule. Es gibt derzeit in Wien etwa 2.500 Schanigärten. Ob der Name Schanigarten nun auf Taroni zurückzuführen ist (Giovanni – Gianni – Schani) oder daher stammt, dass einfach Diener, niedrige Bedienstete und Kellner in Wien als Schani bezeichnet wurden (das oft zitierte: „Schani, stell den Garten raus“) kann heute nicht mehr eindeutig festgestellt werden.

Mein Buchtipp

Heute sind war natürlich alle sehr seriös und der Graben ist längst keine Strichgegend mehr. Wenn Sie Wien mit Partner kennenlernen wollen, kann ich Ihnen das folgende Buch nahelegen:

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