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ein menschlicher Stock im Eisen

SW-Foto Palais Wertheim, Schwarzenbergplatz Wien

ein genialer Geschäftsmann und sein Palais bilden die Eckpunkte der heutigen Geschichte.

Franz von Wertheim

Wertheim wurde als Sohn einer eher armen jüdischen Kaufmannsfamilie in Krems geboren. Er lernte Werkzeugmacher und bildete sich mit Reisen außerhalb von Österreich fort. Außerdem erzeugte er Zigarettenpapier.

Mit seinen Werkzeugen schaffte er es bis zum k.u.k. Hofwerkzeugfabrikanten und gewann zahlreiche Auszeichnungen und Preise.

Als 1848 bei ihm eingebrochen und aus dem dabei aufgebrochenen Tresor sein Geld gestohlen wurde, wuchs in ihm die Idee, Tresore zu erzeugen, die wirklich feuerfest und einbruchssicher sein sollten. Bei der Weltausstellung erwarb er ein entsprechendes Patent.

Feuerfest!

Wertheim war ein Mann, der den großen Auftritt schätzte. Um zu demonstrieren, dass seine Tresore wirklich feuerfest seien, inszenierte er 1857 in Konstantinopel (Istanbul) eine Feuerprobe. Ein Tresor wurde über viele Stunden im Feuer „geröstet“. Diese Vorstellung erfolgte im Beisein des Sultans und viel Prominenz. Nach dieser Feuerprobe wurde der Tresor geöffnet und das darin befindliche Geld und die Aktien waren unversehrt. Die Polka „Feuerfest“ von Strauss wurde anlässlich dieser Vorführung geschrieben.

Wertheim stellte bis zum Ende des Jahrhunderts etwa 70.000 seiner Kassen her. Er exportierte seine Tresore und Kassen bis nach Japan.

Stock im Eisen

Wertheim war, zeitgenössischen Berichten zufolge, ein sehr eitler Mensch. Er sammelte Orden wie ein anderer Briefmarken und trug diese auch nicht nur zu noblen Anlässen sondern auch im Alltag. Dadurch wurde er natürlich Zielscheibe des Spotts und Träger entsprechender Spitznamen. Einer davon war „der Stock im Eisen“. (keine Sorge, über den „echten“ Stock im Eisen wird noch berichtet werden).

Palais Wertheim

Für den Bau seines Palais beauftragte er Ferstel. Es ist ähnlich ausgestaltet wir das ebenfalls von Ferstel gebaute Palais Ludwig Viktor gegenüber, über das bereits berichtet wurde. Jedoch baute Ferstel ganz subtil Unterschiede ein. Das Palais Ludwig Viktor hat klassische Säulen und Skulpuren, das Palais Wertheim Pilaster und Hermen. Damit wurde der Unterschied im Rang zwischen Großbürgertum und Adel sehr subtil aber für kundige Augen sichtbar, gezeigt.

Heute befindet sich im Palais Wertheim der 1. Mc Donalds Wien. Dieser hatte heuer sein 40-jähriges Jubiläum. Damals sind die Jugendlichen noch quer durch Wien gefahren um sich einen Big Mac zu kaufen.

Das Haus neben dem Palais stand ebenfalls im Eigentum Wertheims und dessen Wohnungen sollten vermietet werden. Es wurde damals an die Türkei als Botschaftsgebäude vermietet.

Mein Buchtipp

Das gesellschaftliche Leben Wiens um die Jahrhundertwende war stark jüdisch geprägt. Daher auch der heutige Buchtipp

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