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Ein Stoß in den Himmel

SW-foto der Wiener Gasse Stoß im Himmel

Und wieder mal war der Teufel am Werk. Dieses Mal weist ein Straßenname darauf hin

Stoß im Himmel

Zwischen Wipplingerstraße und Salvatorgasse liegt eine kleine Gasse mit dem merkwürdigen Namen „Stoß im Himmel“. Zu diesem Namen gibt es eine Sage, die überliefert wurde. Wieder einmal hat der Teufel seine Hand im Spiel und wieder einmal hatte er nichts als Arbeit und Spesen. Die Seele ging ihm abermals durch die Lappen.

Die Sage

Vor langer Zeit lebte in dieser Gasse eine sehr eitle Frau. Diese warf ihr ganzes Geld für Schmuck, Schuhe und Kleider aus dem Fenster. Da sie sie ständig damit beschäftigt war, sich im Spiegel zu betrachten und neue Kleider zu kaufen, vernachlässigte sie den Kirchgang und den Haushalt. Sie spotte sogar über eine Marienfigur, weil diese nicht so schöne Kleider trug, wie sie.

Eines Tages stand eine Bettlerin vor der Tür und bat um Almosen. Dazu muss man wissen, dass im Mittelalter so etwas wie Sozialleistungen für Mittellose noch nicht vorhanden waren und es zur Christenpflegt zählte, Bettler Almosen zu geben.

Unsere eitle Frau war jedoch auch ausgesprochen hartherzig und wies die Bettlerin ab. Mit jemand, der so ärmlich angezogen war, wollte sie nichts zu tun haben. Da griff die Bettlerin in ihren Korb und breitete ein wunderbares Kleid auf dem Tisch der eitlen Dame aus und stellte Schuhe daneben, wie sie in ihrer Schönheit und Eleganz noch nie vorher gesehen waren. Nach einer kurzen Überraschungssekunde brach unser Modepüppchen in Begeisterungsschreie aus, wie sie nicht lauter hätten sein können, selbst wenn der Zalando-Bote an die Tür geklopft hätte, so dieser bereits erfunden gewesen wäre.

Das musste sie einfach haben, gleich was es koste. Als sie die Preisverhandlungen begann, lächele die Alte und erbat sich lediglich das, was nach genau 3 Tagen von diesem Kleid bedeckt wird. Der Vertrag wurde natürlich geschlossen. Die eitle Dame stolzierte diese 3 Tage durch Wien und genoss die Bewunderung.

Als das Ende der 3 Tage nahte, wurde ihr dann doch etwas mulmig und sie begann dann erst den Sinn dieses Vertrages zu verstehen. Verzweifelt versuchte sie, dieses Kleid auszuziehen, jedoch war dieses Kleid wie verschweißt mit ihrem Körper.

Pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit stand die Bettlerin im Haus der Modebegeisterten. Unter hämischen Lachen verwandelte sie sich in den Teufel und zeigte so ihr wahres Gesicht. Der Boden tat sich auf und begann unseren Modefreak langsam zu verschlingen. Plötzlich erhielt sie von unsichtbarer Seite einen Stoß, der sie den Klauen des Teufels entzog. Es war ein Stoß in den Himmel! Ein Goldkettchen mit einem Anhänger der heiligen Barbara (in anderen Varianten der hl. Maria) war ihr beigestanden und hatte sie mit diesem Stoß in den Himmel gerettet.

So erhielt dieses Gässchen diesen Namen.

Etwas prosaischer und historischer …

Das Haus, das sich an der Adresse Stoß im Himmel 3 befindet wurde 1522 von einem gewissen Hans Stosanhimel (spätere Schreibweise Stoßanhimmel) gekauft. Dieser Name dürfte daher stammen, dass besagter Herr eine außergewöhnliche Körpergröße besaß. Also gewissermaßen an den Himmel stoß. Der Hausnahme „Stoßanhimmels Haus“ lässt sich über lange Zeit nachweisen. Später wurde der Name zu „Stoß im Himmel“ verballhornt.

Diese Gasse bekam diesen Namen erst 1796. Unsere Sage entstand überhaupt erst im 19. Jahrhundert und ist seit 1856 nachweisbar, wo sie erstmals publiziert wurde.

Mein Buchtipp

Es gibt unzählige Straßennamen in Wien, deren Herkunft interessant ist. Ein Blick in dieses Lexikon ist etwa hilfreich, wenn die Frage auftaucht, wo denn das Stadion war, nachdem die Stadiongasse benannt ist (Spoiler: sie wurde nach Johann Phillip von Stadion benannt).

Ich werfe gerne ab und zu einmal einen Blick in dieses Lexikon, um ein wenig nachzuforschen und kann dieses Buch daher auch jeder geschätzten Leserin und jedem werten Leser meines Blogs empfehlen.

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