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Sankt Salvator, eine Kirche mit interessanter Geschichte.

Schild an der Kirche Sank Salvator Wien

eine Kirche aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, der Heilige Ottenheim, ein Konkordat und die Altkatholiken bilden die Eckpfeiler der heutigen Geschichte.

Sankt Salvator

Diese Kirche ist so versteckt, dass auch ich das erste Mal, als ich sie gesucht habe, daran vorbei gegangen bin. Sie liegt innerhalb des alten Rathauses in der Wipplingerstraße 8. An dieser Stelle des alten Rathauses befand sich der Palast der Haimonen. Dieses alte Rittergeschlecht wurde nach dem in mehreren Generationen vorkommenden Vornamen Haimo benannt.

Die Brüder Otto II. und Haimo III. hatten Bedarf an einer Hauskapelle, welche erstmalig 1298 urkundlich erwähnt wurde. Da sich diese Familie an der antihabsburgischen Verschwörung 1308 beteiligte, wurde vom Landesherrn Friedrich dem Schönen 1309 dieses gesamte Gebäude enteignet. Einschließlich der Privatkapelle natürlich.

Das Gebäude wurde als Rathaus (ab 1341 nachweisbar) und die Kapelle, welche ursprünglich nur im 1. Stock lag, als Rathauskapelle verwendet. Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde die Kirche immer wieder umgebaut und schließlich auch nach unten vergrößert, womit der Eingang heute auf Straßenniveau liegt.

Von 1647 bis 1781 (Toleranzpatent), hatte diese Kirche eine sehr wichtige Funktion. In ihr mussten jene Personen, die das Wiener Bürgerrecht wollten, öffentlich das christliche Glaubensbekenntnis sprechen.

Die Ottenhaimkirche

Die ursprünglichen Stifter der Kirche, Otto und Haimo, blieben im kollektiven Gedächtnis der Wiener erhalten. Wie es mit dem Gedächtnis so ist, verändert sich mit der Zeit das, woran man sich erinnert. In diesem Fall war es auch so. Aus Otto und Haimo wurde mit der Zeit Ottenhaim. Der Kult um den Heiligen Ottenhaim wurde schließlich vom Papst Leo X. mit einer Bulle beendet und als Ketzerei bezeichnet.

Die Altkatholiken

Wenn die werte Leserin oder der geschätzte Leser nach dem Folgen der Wegweiser innerhalb des alten Rathauses auf der Wipplingerstraße die Kirche gefunden hat, steht man vor der Bischofskirche der Altkatholiken. Kaum jemand weiß, was es mit den Altkatholiken auf sich hat. Um das zu klären, muss ich in das Jahr 1870 zurück gehen.

Das Erste Vatikanische Konzil 1870 bestimmte die Unfehlbarkeit des Papstes. Das hat ziemlich viel Unruhe verursacht. Einerseits politisch. So wurde etwa das Konkordat von 1855 deswegen aufgekündigt. Österreich stellte sich auf den Standpunkt, dass sich der Vertragspartner geändert hätte. Vorher war der Vertragspartner ein Mensch und jetzt plötzlich etwas unfehlbar Gottähnliches. Durch dieses Konkordat wurden immerhin alle Angelegenheiten des Eherechts, des Schulwesen und des Klerus dem Staat komplett entzogen und an die Kirche abgegeben. Auch der Religonsfonds wurde komplett der Kirche übergeben. Das alles wurde nun rückgängig gemacht.

Andererseits sorgte diese plötzliche päpstliche Unfehlbarkeit auch innerkirchlich für Konflikte. In Österreich spaltete sich eine kleine Gruppe innerhalb der Kirche ab. Diese wollte kein Bestandteil der „neuen Kirche“ sondern des „alten Glaubens“ sein. Daher nannten sie sich Altkatholiken.

Die Stadt Wien schenkte den Altkatholiken 1871 die Kirche San Salvator. Es gibt noch zeitgenössische Berichte davon, welche die Übergabe der Kirche beschreiben. Es erfolgte eine Messe. Danach wurde das Licht im Tabernakel gelöscht. Die Gemeinde zog anschließend unter lautem Fluchen und Beschimpfungen der Altkatholiken aus der Kirche aus. Die neuen Eigentümer zündeten das Licht im Tabernakel wieder an und hielten ihrerseits eine Messe. Die staatliche Anerkennung der Altkatholiken erfolgte 1877.

Kardinal Rauscher verhängte das Interdikt über diese Kirche. Also jeder Katholik, der dort eine Messe besuchte, war exkommuniziert. Dieses Interdikt wurde erst 1969 von Kardinal König aufgehoben. Also keine Angst, wenn Ihnen danach ist, dürfen Sie in dieser Kirche auch mal eine Messe besuchen, ohne dass Ihrer Seele ewige Verdammnis droht.

Mein Buchtipp

Eigentlich wollte ich etwas zu den Dogmen der Kirche empfehlen. Immerhin gibt es weit über 200 davon, an die jeder Christ verpflichtet ist zu glauben. Ich habe mich aber für etwas Leichtes entschieden. Auch wenn der Sommer und die Urlaubszeit bereits vorbei sind.

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