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Strauss und seine lästige Witwe

SW Bild des Straussdenkmals im Stadtpark, Wien

Wieder ein Beitrag über einen Ausländer. Nämlich über Johann Strauss Sohn. Und von seiner lästigen Witwe handelt dieser Beitrag. Die geschätzte Leserin und der werte Leser werden sich wohl, wie bei meinen Beiträgen üblich, denken: „WTF? Ein Ausländer? Noch wienerischer als Strauss, dieser Spross der urwiener Straussfamilie kann man doch kaum sein.“ denken. Aber lese man selbst.

Die Ehefrauen von Strauss

Strauss war insgesamt drei mal verheiratet. Jede einzelne dieser Ehefrauen wäre eine eigene Geschichte wert und wirkt wie aus einer modernen Seifenoper entsprungen. Jedenfalls sehr interessante Persönlichkeiten. Aber beginnen wir chronologisch.

Henriette Treffz-Chalupetzky

Seine erste Frau lernte Strauss im Salon der Todescos kennen, über den hier bereits berichtet wurde. Seine Jetty, wie er sie liebevoll nannte, war die Geliebte von Moritz Ritter von Todesco, eines der beiden Todesco-Brüder. Da diese Beziehung nicht nur kurz und vorrübergehend war, brachte sie aus dieser in die Ehe mit Strauss sieben (!) uneheliche Kinder mit. Henriette, verstarb an einem Schlaganfall.

Ernestine Henriette Angelica Dittrich

Nach dem Tod seiner Jetty war er nach 50 Tagen bereits wieder verheiratet. Das Verhältnis mit seiner Lily dürfte bereits längere Zeit gelaufen sein, ohne dass seine erste Gattin davon etwas mitbekommen hat. Aber junges Gemüse soll bei älteren Herrn gut für die Potenz sein und Lily war immerhin 25 Jahre jünger als Strauss. Ob diese Beziehung nun auf Liebe oder auf einer hormonelle Basis beruhte maße ich mir gar nicht an zu beurteilen. Jedenfalls ist historisch gesichert , dass die Ehe nicht sehr glücklich war.

Nachdem Lily ein Verhältnis mit dem Direktor des Theaters an der Wien, Hr. Franz Steiner, hatte, bestand Strauss auch darauf, dass seine Operette „Eine Nacht in Venedig“ nicht im Theater an der Wien uraufgeführt wird. Das ist der Grund warum die Uraufführung in Berlin stattfand. Übrigens die einzige Uraufführung einer Strauss-Operette außerhalb Wiens.

1881 wurde die Ehe einvernehmlich geschieden. Strauß Exfrau verstarb komplett verarmt 1919.

Adele Strauss

Kommen wir nun zur 3. Gattin, die dann der Grund für den Wechsel der Staatsbürgerschaft war. Adele Strauss war 31 Jahre jünger als Strauss (habe ich das mit dem jungen Gemüse schon erwähnt?) und war verwitwet. Sie war in vorheriger Ehe mit Anton Strauss verheiratet. Einem Bankier, der mit Johann Strauß nicht verwandt war.

Die Heirat war ihnen vorerst verwehrt. Durch die Unauflöslichkeit der Ehe galt Strauss noch als verheiratet. Der Papst, den Strauss um eine Annullierung seiner Ehe ersuchte, lehnte diese ab. Die Gesellschaft machte diesen Skandal, dass Strauss in wilder Ehe lebte, zum Tagesgespräch und die Presse schlachtete diesen Umstand überall dort, wo sich in den Zeitungen noch ein freies Plätzchen fand, das gefüllt werden musste, aus.

Strauss wurde Deutscher

Als Katholik war es ihm natürlich nicht möglich nochmals zu heiraten. Aber eine Lösung war rasch gefunden. Als Strauß hatte man ja immerhin Beziehungen. Unter Anderem verkehrte er auch sehr oft im Palais Coburg. Daher hatte er zum Haus Sachsen Coburg sehr gute Verbindungen und wurde insbesondere von Herzog Ernst II. Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha sehr geschätzt und gefördert.

Strauß verzichtete auf die österreichische Staatsbürgerschaft und wurde sächsischer Staatsbürger. Weiters konvertierte er zum protestantischen Glauben. Vorher wurde die Ehe mit Lily von Herzog Ernst II. offiziell aufgelöst. Die Hochzeit von Adele Strauss und Johann  Somit war die Beziehung auf eine gesellschaftskompatible Basis gestellt.

die lästige Witwe

Wie bei diesem Altersunterschied zu erwarten, verstarb Strauss 31 Jahre vor seiner geliebten Adele. Adele war sehr geschäftstüchtig und überwachte die Auszahlung der Tantiemen ausgesprochen penibel. Damals galt das Urheberrecht 30 Jahre nach Ableben des Künstlers. Adele Strauss war sehr aktiv und viel allen Politikern auf die Nerven, damit diese Frist von 30 Jahre auf 50 Jahre ausgedehnt wird. Daher stammt auch ihr Beiname „die lästige Witwe“. Es kam auch tatsächlich zu einer Verlängerung dieser Schutzfrist. Allerdings nur auf 32 Jahre und nicht auf die gewünschten 50. Heute sind es übrigens 70 Jahre.

Mein Buchtipp

Heute wieder eine leichte Kost. Imaginäre Gespräche mit unzähligen (toten) Prominenten. Unter anderem auch mit Strauss. Interessant und flüssig zu lesen. Es geht um Fakten die nicht so allgemein bekannt sind.

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