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die Liliengasse

SW-Foto Liliengasse

Warum Sie, werte Leserin und geschätzter Leser, sich nur bei Tag und in gerader Anzahl in der Liliengasse aufhalten sollten.

eine kleine Gasse

Die Liliengasse ist eine ganz kurze Gasse, welche die Weihburggasse mit der Singerstraße verbindet. Es gibt dort eine sehr bekannte Bar, einen Friseur, der seit der 1. Hälfte des vorigen Jahrhunderts dort besteht und ein kleines italienisches Restaurant. Die meisten Passanten gehen dort achtlos durch. Jedoch ist die Geschichte dieser kleinen Gasse recht interessant.

Das Wiener Werkel

Nachdem die Nazis 1938 alle Kabaretts geschlossen hatten, da diese von Juden geführt wurden (ähnlich wie heutzutage über den Islam war man damals der Ansicht, dass das Judentum nicht zu Österreich und nach Europa gehört), war die Unterhaltungsszene in Wien trostlos. Daher wurde ein einziges Kabarett in Wien von den Nazis eröffnet. Die paar wenige Kabarettisten, welche arisch waren, wurden engagiert und und hatten nun in dem von den Nazis gegründeten „Wiener Werkel“ in der Liliengasse 3 einen neuen Spielort.

Das Wiener Werkel war ausgesprochen beliebt, da es trotz enormer Kontrollen mehr oder minder versteckt Kritik am Naziregime ausübte. Kein Wunder, waren doch zwei der Schreiber die Juden Kurt Nachmann und Fritz Eckhardt, welche natürlich unter einem Pseudonym schreiben mussten. Das Kabarett bestand bis zur allgemeinen Theatersperre 1944.

Namensherkunft

Die Liliengasse trägt diesen Namen seit 1821. Dieser Name weist auf den Lilienfelder Hof hin, der sich in der Weihburggasse 9 befand. Diese Gasse ist nachweisbar seit 1397 und war ursprünglich namenlos. Später hieß es Armesündergassel und ab 1770 Diebsgassel.

Diese seltsamen Namen stammen noch aus der Zeit, in der sich in der Rauhensteingasse 10 das Malefitzspitzbubenhaus befand. Ein Gefängnis, wie es heute in modernen Staaten wohl unvorstellbar ist. Hier wurde gefoltert und gequält, dass die Schreie weithin hörbar waren. Dieses Gebäude ist nicht mehr erhalten.

Der Aberglaube

Wenn die Häftlinge ihren letzten Weg zur Hinrichtung am hohen Markt geführt wurden, führte der Weg durch die Liliengasse. Hier wurden sie unter dem Gejohle der Zuseher mit Kot, Eiern oder nicht mehr ganz frischen Gemüse beworfen. Es gibt den alten Aberglauben, dass man solche Wege möglichst nicht betreten sollte. Schon gar nicht bei Nacht. Wenn es aber trotzdem notwenig sein sollte, soll man darauf achten, dass man in derartigen Gassen nicht eine ungerade Anzahl an Passanten bildet. Wenn jemand als 1., 3. oder 5. (usw.) diese Gasse betritt, wird ihm (oder ihr) binnen Jahresfrist ein schreckliches Unheil widerfahren.

Mein Buchtipp

Heute ein Buchtipp über die Rechtssprechung und die Gerichtsbarkeit in alter Zeit. Recht nett zu lesen und sehr informativ.

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