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das Juridicum

SW-Foto Juridicum Wien

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ich war nun 2 Wochen auf Urlaub und daher sind die letzten beiden Beiträge ausgefallen. Heute habe ich aus aktuellen Anlass diesen Beitrag über das Juridicum Wien eingeschoben.

Das Gebäude

In den 60er Jahren wurde es durch einen starken Anstieg der Studentenzahlen nötig, für die Juridische Fakultät ein eigenes Institutsgebäude zu bauen. Günther Winkler, Professor für Staatsrecht wurde mit dem ganzen organisatorischen Aufwand zur Erreichung dieses Zieles beauftragt und er konnte den jetzigen Standort Schottenbastei 10-16 als Baugrund gewinnen.

Der Architekt Hiesmayer wurde mit der Planung beauftragt und fand eine hervorragende Lösung für das Gebäude. An vier Ecktürmen hängt das Gebäude nach unten. Durch diese Lösung konnte auf Säulen im Inneren verzichtet werden. Dadurch erscheint das Gebäude luftiger, größer und es ist mehr Platz vorhanden.

die Fakultät

Der erste Lehrstuhl für Juristen in Wien entstand 1402. Damals wurde allerdings nur Kirchenrecht, also kanonisches Recht, unterrichtet. Erst 1494 kam das römische Recht dazu. Das römische Recht prägt auch heute noch unser Rechtsverständnis. Unser Privatrecht ist großteils auf römischen Recht aufgebaut. Das sogenannte kleine Latinum ist auch heute noch Studienvoraussetzung. Die lateinischen Rechtsgrundsätze gelten auch heute noch.

Erst durch die Theresianische Studienreform 1753 wurde das Studium ausgeweitet und 1810 kam das österreichische Privatrecht als eigenständiges Fach dazu.

denkwürdige Veranstaltung

1987 fand in diesem Gebäude eine ausgesprochen denkwürdige Veranstaltung statt. Der Ring Freiheitlicher Studenten, lud Reinhold Oberlercher zu einem Vortrag ein. Dieser Vortrag wurde vom späteren FPÖ-Politiker Brauneder, der zu diesem Zeitpunkt Dekan der Fakultät war, genehmigt, obwohl er Kenntnisse von der politischen Einstellung dieses Herrn hatte. Brauneder war 1996-1999 3. Nationalratspräsident für die FPÖ.

Oberlercher war zu dieser Zeit einer der ganz Großen in der Neonaziszene. Daher war auch alles im Juridicum anwesend, was in dieser Szene Rang und Namen hat von Gottfried Küssel abwärts. Oberlercher würdigte Österreich als das deutsche Bergvolk und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Wiedervereinigung der deutschen Völker von Österreich ausgehen werde. Er vertrat auch die Ansicht, dass der Jude sich auf Gedeih und Verderb anzupassen habe um nicht als bakterieller Krankheitserreger ausgeschieden zu werden.

Er erklärte auch, dass die Nazis die antiken Rechtstraditionen vertraten, indem nicht jeder Rechtssubjekt (also Träger von Rechten) sein kann sondern auch Sklavenvölker bestehen müssen. Diese Sklavenvölker gilt es zu unterjochen und nichts anderes geschah seiner Meinung nach in den Konzentrationslagern. Außerdem natürlich die bei solchen Veranstaltungen üblichen Loblieder auf die Nazis, die üblichen Behauptungen über jüdische Weltverschwörungen und natürlich auch Loblieder auf  Ausschwitz und was sonst noch zu solchen Veranstaltungen in diesen Kreisen dazu gehört.

Moderiert wurde diese Veranstaltung von Harald Stefan, derzeit Nationalratsabgeordneter der FPÖ. Es gab natürlich auch einen Saalschutz, der vom Ring Freiheitlicher Studenten gestellt wurde. Als Saalschutz war unter Anderem ebenfalls ein bekannter FPÖ-Politiker anwesend. Martin Graf, der 2009 erklärte, dass er nichts vom antifaschistischen Grundkonsens halte.

Da etwa ein Viertel der Wähler von den politischen Ansichten der genannten Herrschaften begeistert ist, hat die FPÖ genug Stimmen bekommen, dass Graf nun wieder NR-Abgeordneter ist.

mein Buchtipp

Bekannt ist, dass Strache, der Bundesparteivorsitzende der FPÖ,  ein gerichtlich bestätigtes Naheverhältnis zum Nationalsozialismus hat. Es gibt da ein nettes Buch dazu, nach dessen Lektüre auch klar wird, warum das Gericht damals so entschieden hat. Das Buch ist unglaublich gut recherchiert und es gibt viele Seiten Quellenangaben. Dieses Buch gehört in jedes österreichische Bücherregal.

Heute ausnahmsweise mal einen zweiten Buchtipp. Das oben angeführte Buch ist ja bereits ein paar Jahre alt. Vom selben Autor gibt es ein ganz druckfrisches Buch. Ebenfalls sehr interessant, sehr gut recherchiert und gut zu lesen. Ebenfalls ein Buch, das in jeden österreichischen Haushalt gehört.

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