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Auf Wiedersehen …

Dieser Blog lebt von zwei Faktoren. Dem Umstand, dass in Wien unter jedem Stein Geschichte versteckt ist und Anekdoten zu finden sind und meiner Begeisterung für Österreich im Allgemeinen und Wien im Besonderen.

Meine Begeisterung für Wien

Leider ist mir meine Begeisterung für dieses Land abhanden gekommen. Derzeit sind Regierungsverhandlungen im Laufen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, kommt eine Partei an die Macht, die von jemanden geführt wird, der ein gerichtlich bestätigtes Naheverhältnis zum Nationalsozialismus hat.

Wenn ein Politiker auf Facebook das Bild eines Spanferkels auf einem Kirtag veröffentlicht mit dem Kommentar „isst Du Schwein darfst Du rein“, dann verstehe ich nicht, warum 25 % meiner Mitbürger auch der Ansicht sind, Juden und Moslems hätten auf Kirtagen nichts zu suchen, sollten vom gesellschaftlichen Leben ausgesperrt werden.

Wenn einem Funktionär die Laufbahn als Berufsoffizier beim Bundesheer versagt bleibt, weil er wegen seiner Kontakte zur rechten Szene eine Gefahr für die militärische Sicherheit darstellt, dann ist dies wohl in jedem zivilisierten Land dieser Welt ein Grund zu einem Rücktritt. In der zukünftigen Regierungspartei ist es kein Hindernis zu einer Karriere. Und wenn dieser Funktionär dadurch auffällt, dass er ein Facebookpostings des Geburtstags des Führers mit seinem „Gefällt mir“ versieht, regt das in Österreich niemanden mehr auf.

Wenn eine Partei die Menschenrechte abschaffen, will, würde diese Partei wohl in jedem zivilisierten Land dieser Welt im kleineren einstelligen Prozentbereich herumdümpeln. 25 % der österreichischen Wähler geben dieser Idee ihre Stimme und sind der Meinung, dass die Menschenrechte unnötig sind. Freie Meinungsäußerung?, Verbot der Folter? … unnötig.

Besonders nett finde ich die Idee, eine Zweiklassen-Staatsbürgerschaft einzuführen. Österreicher, deren Eltern (oder auch Großeltern) keine österreichische Staatsbürgerschaft besaßen sind keine autochthonen Österreicher. Die autochthonen Österreicher muss man vor solchen Leuten schützen. Etwa indem man ihnen soziale Grundrechte entzieht oder indem ihnen der Einzug in eine Gemeindebauwohnung verwehrt bleibt. Also Leute wie ich, die zwei tschechische Großmütter haben, sind demnach „schlechte“ Österreicher einfach aus dem Grund weil ihre Vorfahren, als sie sich miteinander vergnügten und Österreicher zeugten, keinen österreichischen Reisepass hatten. Ganz gleich, ob ich mir etwas zu Schulden habe kommen lassen, ob ich pünktlich meine Steuern zahle oder was auch immer.

Diese Partei hat gar kein Problem damit, ihre politische Richtung immer offener zu zeigen. Im Burgenland gab es einen Kandidaten, der kurz vorher wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung verurteilt wurde. Wenn auf dem FB-Profil einer Funktionärin als Lieblingszitat „Ein Volk, ein Reich ein Führer“ zu lesen ist, ist dies in diesem Gesamtzusammenhang schon so normal, dass dies lediglich eine Randnotiz in den Medien wert ist und eher Stimmen bringt als dass sich noch irgend jemand darüber aufregt.

Das ist nur ein kleiner Auszug aus den Gründen, warum ich diese politische Entwicklung für schlecht halte. Diese Liste lässt sich noch endlos erweitern.

Patrioten

Irgendwie schaffen es diese Leute sogar, ihren Wählern diesen Schmarrn als Patriotismus zu verkaufen. Als Strache sich über das Ergebnis der Schweizer Zuwanderer Initiative freute, das als großen Erfolg bezeichnete, gegen die Reaktionen der EU protestierte, damit das möglichst viele Leute mit Arbeitserlaubnis in der Schweiz treffen soll, waren seine Anhänger überzeugt, das wäre patriotisch. Es waren 30.000 Österreicher davon betroffen. 30.000 Österreicher zitterten um ihre Existenz, wussten nicht wie es weiter geht. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Leobens. Noch ohne betroffene Angehörige oder Unterhaltspflichtige. Und Strache freut sich darüber. Das ist der blaue Patriotismus.

Meine Konsequenz

Ich schaffe es leider nicht, Angesichts dieses politischen Supergaus für Österreich, weiterhin meine Begeisterung, die zum Schreiben dieses Blogs nötig ist, aufzubringen. Vielleicht wird der Blog, wenn dieser politische Alptraum vorbei ist, wieder aufgenommen.

Ich merke, wenn ich im Ausland auf die FPÖ angesprochen werde und diese und viele andere Geschichten erzähle,  nicht stolz darauf sein kann. Es ist leider ein ganz anderes Gefühl, als bei meinen Spaziergängen durch Wien, wenn ich Geschäftsfreunden Wien erkläre.

Ich danke allen meinen bisherigen treuen Lesern für ihre Treue.

Mein Buchtipp

ein Buch über die Rhetorik dieser Partei. Sehr empfehlenswert.

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